Modeindustrie Am Erfolg zerbrochen?

 

Nachdem er Balmain zum It-Label gemacht hat, verlässt Christophe Decarnin das französische Modehaus wegen Burnout. Die Modewelt diskutiert: Ist der Druck zu groß?
Text: Veronika Schaller
In der Mode erzeugt man Burnout-Effekte mit der Hilfe chemischer Substanzen. Oder mit einer extremen Erwartungshaltung. Denn Christophe Decarnin ist nach sechs Jahren als Chefdesigner bei Balmain ausgebrannt.

Er verlässt das französische Label obwohl er mit rockigen Lederjacken, hautengen Röhren und Shirts im Used-Look Verkaufshits landete. Ob Jessica Alba im Zick-Zack-Kleid, Sarah Jessica Parker im Löcher-Dress, oder Kate Beckinsale in einer Drama-Robe mit Nietengürtel – plötzlich trugen sie alle Balmain.

Aber schon von seiner letzten Pariser Schau im März 2011 blieb der 47-Jährige fern. Die Begründung: gesundheitliche Probleme und depressive Verstimmungen. Schon seit Mitte Januar soll er wegen totaler Erschöpfung in einer Klink behandelt worden sein.

Christophe Decarnin ist nicht der erste Fall eines strauchelnden Kreativdirektors.
Schon der 2008 verstorbene Yves Saint Laurent hatte psychische Probleme und sagte „Ich war im Gefängnis der Depression gefangen, habe die treulosen Freunde kennengelernt, die wir Beruhigungsmittel und Drogen nennen“.

Im Februar 2011 schockierte dann der Tod des Star-Designers Alexander McQueen die Modebranche. Im Alter von 40 Jahren hatte er sich in seiner Wohnung das Leben genommen. Jüngst sorgte auch John Galliano für Schlagzeilen – mit einem mutmaßlichen Alkoholproblem, rassistischen Pöbeleien und dem anschließenden Rauswurf bei Dior.

Das alles wirft die Frage auf: Ist dieser Job mental nicht zu ertragen? „Es ist alles zu viel – zu viele Kollektionen, zu viel Druck“, sagte etwa Designer Azzedine Alaïa zur Verteidigung Gallianos gegenüber „Women´s Wear Daily“. Er bezeichnete diesen Zustand in der Branche sogar als „unmenschlich“.
© REUTERS
Michael Kors
„Manchmal vergesse ich bei welcher Saison ich gerade bin“, erklärte Michael Kors. „Wenn etwa Schauspieler für zwei Filme in Folge vor der Kamera stehen, nehmen sie sich eine Auszeit. Aber was soll ein Designer sagen? Ich bin müde, ich lasse die Herbstkollektion aus? Es ist endlos.“

Gegenteilig äußerte sich Marc Jacobs gegenüber „WWD“: „Glauben Sie nicht, dass auch Kassierer Probleme haben? Schuldzuweisungen sind kompletter Müll. Glückliche und mental gesunde Menschen tun sich nichts an.“

Karl Lagerfeld sieht die Leistungsanforderungen ebenfalls sportlich: „Für mich ist das Designen wie Hochleistungsathletik und ich möchte nichts von Zerbrechlichkeit hören. Wenn ein Sportler zu schwach ist um zu laufen, kann er nicht laufen. Man muss das Business akzeptieren."
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