Naomi CampbellInterview Teil 2 – Naomi und die Drogen

Aber sie verstoßen gegen das Gesetz.
Dann kümmern Sie sich um die Dealer. Seit Jahrhunderten werden Drogen konsumiert. Jeder tut es. Wie wollen Sie das verhindern?

Sie geben also zu, gegen das Gesetz verstoßen zu haben?
Ja. Jede Sekunde verstößt irgendjemand gegen das Gesetz. Ich halte übrigens Alkohol für genauso schädlich wie Drogen. Und im Vergleich sterben mehr Menschen an den Folgen der Alkoholsucht.

Möchten Sie etwa Drogen entkriminalisieren?
Nein, weil mir inzwischen bewusst ist, dass Drogen nichts Gutes sind. Meine Kinder sollen das einmal wissen. Ich kann sie nicht daran hindern, Drogen auszuprobieren, aber ich kann ihnen klarmachen, dass sie schlecht für sie sind.

Wie alt waren Sie, als Sie das erste Mal Drogen nahmen?
24.

Können Sie sich noch an die Situation erinnern?
Natürlich. Ich war auf einem Konzert und jemand bot mir Kokain an.

Wie hat es gewirkt?
Ich fühlte mich unbesiegbar. Als könnte ich die ganze Welt erobern. Ich bekam ein völlig übersteigertes Selbstvertrauen. Das ist absoluter Humbug, weil man am nächsten Morgen aufwacht und sich ganz furchtbar fühlt. Und je mehr Drogen man nimmt, desto mehr möchte man davon. So wird man süchtig.

Ist das unter Models so verbreitet, wie man immer hört?
Es ist in jeder Szene verbreitet. Mich macht es wirklich sauer, wenn Models für alles verantwortlich gemacht werden, für Magersucht und Drogen. Magersucht ist als Krankheit übrigens viel schwieriger zu bekämpfen als Alkoholismus. Wie willst du Leuten helfen, die sich beim Blick in den Spiegel fett finden?

Wann haben Sie das letzte Mal Drogen genommen?
Seit Ewigkeiten nicht. Das liegt alles hinter mir. Den ersten Entzug habe ich 1999 gemacht. Was das Trinken anbetrifft, hatte ich einige Rückfälle und dann musste ich mit der Therapie eben wieder ganz von vorn anfangen.

Wie viel Kokain haben Sie in Ihrer schlimmsten Phase konsumiert?
Ich möchte klarstellen, dass ich im Job nie gekokst habe.

Vor ein paar Jahren haben Sie in einem Interview gesagt, Sie hoffen, Kate Moss würde nicht wie Sie bei Drogen landen.
Das habe ich nie gesagt. Doch. Nicht im Zusammenhang mit Drogen. Ich kenne Kate seit ihren Anfängen als Model und habe ihr erklärt, was alles in der Modewelt auf sie zukommen würde.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als der „Daily Mirror“ im September 2005 Kate beim Kokainschnupfen zeigte?
Es tat mir sehr leid, wie sie behandelt wurde. Sie schadet sich selbst, und wenn das veröffentlicht wird, bekommt sie keine Chance, von ganz allein wieder auf die Beine zu kommen.

Aber das will sie doch gar nicht, oder?
Kate ist eine wunderbare Mutter und eine wunderbare Freundin. Und es geht ihr ja schon besser.

Finden Sie es richtig, dass ihr Einkommen sich seit dem Kokain-Skandal verdreifacht hat?
Das ist doch nicht ihre Schuld!

Nein, aber ist das okay?
Wenn es Kunden gibt, die sie aufgrund des Skandals buchen – warum sollte sie die Jobs ablehnen?

Nochmals: Haben Supermodels keine Vorbildfunktion?