Naomi CampbellMal ehrlich!

Text: Katharina von der Leyen

Die beiden kämpfen gern mit harten Bandagen. Im Februar 2001 veröffentlichte Piers Morgan, damals Chefredakteur des englischen Boulevardblatts „Daily Mirror“, Fotos von Naomi Campbell, die gerade ein Treffen der Süchtigen-Selbsthilfeorganisation Narcotics Anonymous (NA) verließ. Das Pikante daran: Das Supermodel hatte stets geleugnet, Drogen zu nehmen.

Campbell klagte wegen Verletzung ihrer Privatsphäre. In erster Instanz bekam sie Recht. Daraufhin rief ihr Morgan vor dem Gerichtsgebäude nach, sie sei eine lügnerische, drogensüchtige, verzogene Primadonna. Bevor Morgan den Fall vor den Europäischen Gerichtshof bringen konnte, wurde er gefeuert. Jetzt traf er sich erneut mit seiner Gegnerin von einst – zum Interview-Showdown mit versöhnlichem Ausgang.

Haben Sie je gelogen?
Naomi Campbell: (Pause) Ja, ich habe schon gelogen.

Drogenmissbrauch?
Ja, ich habe Drogen genommen.

Sind Sie eine Primadonna?
Könnte man so sagen, ja. Dass ich häufig zu spät komme, erweckt möglicherweise diesen Eindruck.

Warum tun Sie das? Wollen Sie Ihre Macht auskosten?
Nein. Ich stehe permanent unter Zeitdruck. Früher dachte ich immer, ich komme damit durch, wenn ich Termine nicht einhalte. Und wenn ich erst einmal da war, habe ich einen absolut professionellen Job abgeliefert. Heute ist mir klar, dass meine Verspätungen respektlos gegenüber den Wartenden waren.

Lassen Sie uns über die Fotos von damals reden, die Sie als Narcotics-Anonymous-Mitglied entlarvt haben …
Ich gehe jeden Tag zu Meetings von Narcotics Anonymous – egal, wo auf der Welt ich mich gerade befinde. Ich brauche das, um mich daran zu erinnern, wo ich stehe, wo ich herkomme und wo ich auf keinen Fall wieder landen möchte. Zu NA zu gehen war das Beste, was ich je in meinem Leben gemacht habe.

Sollte man Supermodels, die Drogen nehmen, in der Presse outen? Immerhin sind sie Vorbilder für die Jugend.
Ich finde, man sollte niemanden bloßstellen, der Drogen nimmt. Denn diese Leute sind krank.

Quelle: Piers Morgan/GQ/Condé Nast Publications/Lickerishltd.com