Neue Gesichter der Modewelt Diese Designer ziehen uns an!

© Hubert Burda Media
Die Gewinner des New Faces Award 2013: Oliver Lühr und Thomas Bentz (Achtland), Tom Zauke und Joachim van Kann (v.l.)
"Wir Deutschen müssen zusammenrücken", sagte Dorothee Schumacher bei der Mercedes-Benz Fashion Week in Berlin gegenüber AMICA Online. Der Grund: Alle mäkelten im Vorfeld, dass bekannte Labels wie Rena Lange, Hugo Boss oder Basler diese Saison nicht zeigten. Doch als eine der größten Designerinnen des Landes ist sich die Schumacher-Chefin sicher: „Wir werden bald ganz stolz auf den Modestandort Deutschland blicken.“ Das Gute an der Fashion Week Berlin: Auch kleine Labels bekommen hier ihre Chance. In ihnen steckt ein Potential, das "Bunte" ebenfalls längst entdeckt hat. Seit dem Jahr 2000 fördert das People-Magazin jährlich mit dem New Faces Award die modische Kreativität hierzulande.

Am Montag, den 22. Juli 2013, wurde der mit 10 000 Euro dotierte Preis in der Düsseldorfer Rheinterrasse von einer Jury aus Experten der Mode- und Medienbranche – darunter EICKHOFF-Inhaberin Susanne Asbrand-Eickhoff, Fashion Net Düsseldorf e.V., Projektmanager Wolfgang Johannes Hein und „Bunte“-Chefredakteurin Patricia Riekel – wieder verliehen.

In der Kategorie „Bestes Fashion Label“ bekam das Label Achtland von Oliver Lühr und Thomas Bentz den begehrten roten Panther. Den Award für „Bestes Accessoires Label räumte Tom Zauke ab. Und im Wettkampf um „Bestes Schuh-Design“ gewann Joachim van Kann. Sein Entwurf wird nun produziert und in Filialen der Kette Reno verkauft.

Wir stellen die aufstrebenden Star-Designer vor:

© Mercedes-Benz Fashion
Kategorie „Bestes Fashion Label: Achtland - Oliver Lühr & Thomas Bentz

Zum Namen inspirierte eine Königin aus der irisch-keltischen Mythologie. So selbstbewusst und charakterstark wie sie sollen ihre Kundinnen sein. 2011 gründeten Oliver Lühr und Thomas Bentz in Berlin ihr Label Achtland, nachdem sie sich während ihrer Studienzeit in London kennen gelernt hatten. Der eine, Oliver Lühr, Absolvent des berühmten Central St. Martins College of Art & Design, gilt als kreativer Kopf des High-end Prêt-à-Porter-Labels. Der andere, Thomas Bentz, Wirtschaftswissenschaftler, übernahm das Management. Gerade zeigten die beiden zum ersten Mal bei der Fashion Week in Berlin. Ihre Frühjahr-Sommer-Kollektion 2014, "Prinzhorn's Finches", wurde von Insidern als eine der besten und wegweisendsten gefeiert. Spannung entsteht durch das Spiel mit Gegensätzen. So trifft etwa ein reduziertes Blouson auf einen sanft-fließenden Rock aus Seiden-Georgette, strenge Shift-Kleider werden durch Blumen romantisiert, zu engen Pencil-Skirts passen kastige XL-Shirts. Transparenz addierte Spannung, Pastellfarben wirken feminin. Nun gewann Achtland auch noch den Newcomer-Preis „Bestes Fashion Label“ beim New Faces Award 2013. Jury-Mitglied Petra Pfaller, Creative Director „Bunte“, begründete die Wahl so: „Oliver Lühr und Thomas Bentz scheinen die Gabe des ‚Perfekten Schnitts‘, der perfekten Linienführung zu haben, ihre Entwürfe zeichnen den weiblichen Körper nach, ohne ihn zu ‚bedrängen‘.“  Von diesem Power-Duo werden wir also mit Sicherheit noch viel hören!

Kategorie „Bestes Accessoires Label“: Tom Zauke

Im Jahr 2003 bemerkte der Diplom-Ingenieur Tom Zauke, dass es keinen innovativen und gleichzeitig maskulinen Männerschmuck gibt. Kurzerhand entschließt er sich dazu, Männerschmuck – den er selbst gerne tragen würde – einfach selbst herzustellen. Hierbei experimentiert er mit Leder und Metall. Heraus kommen dabei etwa Westen aus Gliederketten, Colliers mit Fransen oder Kombinationen aus Bettelarmband und Armreifen. Mittlerweile gelten seine Accessoires-Unikate als Geheimtipp in der Münchner Fashion-Szene.

Von wem diese beiden Newcomer lernen können, steht im – von Patricia Riekel herausgegebenen – Bildband „New Faces of Fashion“. Diese „New Faces Award“-Gewinner haben es in der Branche geschafft:

© New Faces of Fashion/Hubert Burda Media
Dietrich Emter

2012 gewann er in der Kategorie „Bestes Fashion Label“. Der Designer mit der Maxime „Experimentieren, ohne die Marktfähigkeit der Produkte aus den Augen zu verlieren“, hatte bereits nach seinem Abschluss am „Lette Verein“ die Chance, sich im Modebusiness auszuprobieren. Er arbeitete bei Balenciaga unter seinem Vorbild Nicolas Ghesquière. Eine intensive Zeit, wie er sagt, die ihn in seiner Formensprache und seinem Stil am meisten geprägt hat. Weitere Stationen: Chloé in Paris und Isabel Marant. Am liebsten arbeitet der Modeschöpfer mit Seide, Kaschmir und ungewöhnliche Materialien, wie zum Beispiel Kunstpelz, der auch für Steiff-Stofftiere verwendet wird. Der größte Erfolg ist für ihn, dass er seit dem Erhalt des Awards erste Boutiquen in Deutschland eröffnen konnte.

Livia Ximénez-Carrillo und Christine Pluess ließen sich für ihre „Mods beim Baseball“-Kollektion von dieser Sportart inspirieren. So erinnern Blusen an Trikots und Blousons tragen Netzeinsätze.Mongrels in Common

Nähen, stricken und zeichnen – schon in ihrer Kindheit war das der liebste Zeitvertreib von Christine Pluess und Livia Ximenéz Carrillo. Die beiden Designerinnen kannten sich damals zwar noch nicht, hatten aber schon das gleiche Ziel vor Augen: Fuß zu fassen in der Welt der Mode. Nachdem beide an der ESMOD Berlin studiert haben, gründeten sie 2006 ihr eigenes Label. Die Verbindung von Kontrasten ist das Herzstück einer jeden „Mongrels in Common“-Kollektion. Das impliziert schon der Label-Name. Denn übersetzt bedeutet er „Gemeinsamkeit: Mischling“. So lassen die beiden „Mischlings“-Designer – Christine Pluess hat schweizerisch-spanische Wurzeln und Livia Ximenéz Carrillo peruanische – gerne die Queen Jeans tragen, oder schicken den Denver Clan in einen Wald. Ihre Mode gilt dabei als zeitlos, insbesondere ihre lässig-weiten Bundfaltenhosen und weißen Blusen mit typischen Piercing-Verschlüssen sind Dauerbrenner. „Wir sprechen Frauen an, die sich gerne gut und schön kleiden, aber sich nicht verkleiden wollen. Unsere Kundinnen sind von Mitte zwanzig bis Mitte siebzig und allen steht Mongrels in Common hervorragend, so das Duo.“

© New Faces of Fashion/Hubert Burda Media
Walter & Friedrichs

Ihr Ritterschlag war bislang eine Veröffentlichung in der Vogue. Publicity gab es aber auch für Modelle, die im Nenas Musik video „Das ist nicht alles“ zu sehen waren. Nicht schlecht für ein Label, das noch keine zwei Jahre auf dem Markt ist. 2011 schlug die große Stunde für Katharina Walter und Simone Friedrichs. Nach ihrem Mode- und Design Studium in Düsseldorf und diversen Praktika machten sie sich selbständig und gründeten ihr eigenes Label. „Menschen sehnen sich immer mehr nach Einzigartigkeit, Persönlichkeit und Qualität. Für uns basiert Handwerk auf Traditionen und hat etwas Ehrliches und Authentisches an sich“, erklärt Simone Friedrichs das Erfolgsrezept. Daher setzen sie auf Tragekomfort, edle Verarbeitung und hohe Qualität. Gefertigt wird auf Einzelbestellung „made in Germany“ in einem Modeatelier in Essen.

 

Literatur-Tipp:

Titel: „New Faces of Fashion“

Herausgeberin: Patricia Riekel

Verlag: Alt/Cramer, 2013

Preis: um 30 Euro

Erhältlich bei: Amazon.de