Arme reiche Paris? Öffentliches Erwachsenwerden

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© rts
Paris als Cover-Girld der "Vanity Fair"
Normalerweise bekommt es niemand mit, nicht einmal die eigenen Eltern. Einer wie Paris Hilton aber wird die Gnade der Diskretion nicht gewährt. Also kann sich alle Welt darüber informieren, mit wem sie am Wochenende geknutscht hat, welche Frisur ihr diesmal wieder eingefallen ist, welche SMS sie in ihr Handy hackt. Und weil es eben oft entsetzlich peinlich ist, was man mit 24 tut, denken wir von Paris, dass sie entsetzlich peinlich ist. Statt uns an die eigene Jugend zu erinnern, in der wir gern weniger brav gewesen wären, als wir es sein mussten.

Das Desaster ihres Lebens

Man könnte auf die üble Nachrede auf genau zwei Weisen reagieren. Entweder: diskreter werden, Reue zeigen, doch noch ein gezähmtes Mädchen werden. Oder: das genaue Gegenteil tun. Nichts bereuen. Sondern noch lauter als die anderen lachen über die Böcke, die man sich leistet. Paris hat sich für das Zweite entschieden. Als der unsägliche Rick Salomon vor zwei Jahren die Idee hatte, sein Home-Video vom Sex mit seiner ehemaligen Liebsten zu veröffentlichen und jeder, der es wollte, sich darüber informieren konnte, dass auch eine millionenschwere Erbin nicht den Mut aufbringt, einen stümperhaften Liebhaber aus dem Bett zu schmeißen, hat Paris Hilton mit bewundernswerter Souveränität reagiert.

Statt sich vor Scham zu verkriechen, ließ sie sich in die Comedy-Show „Saturday Night Live“ einladen und machte fulminante Witze über den Verrat, der ihr widerfahren war. Danach war sie wieder obenauf. Und ist es seitdem geblieben. Auch schön, wenn man das Desaster seines Lebens mit 24 hinter sich hat. Was könnte ihr jetzt noch passieren?

Ob sie jemals unglücklich ist, auf unsere zergrübelte Art, wir werden es nie erfahren. Es ist das Geheimnis, das sie sich gönnt, Polite Society eben. Aber, nur so, als Gedankenexperiment: Vielleicht ist Paris Hilton auf ihre eigene ganz und gar nicht vergrübelte Weise ein zutiefst glücklicher Mensch. Ist es wirklich so schwer, ihr das zu gönnen?
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