Penélope CruzVoller Stolz

Text: Lucas Hollweg / Katharina Von der Leyen
Penélope Cruz

Der Himmel über Barcelona ist an diesem Abend kobaltblau. Penélope Cruz schwebt durch die Bar des „Hotel Arts“ und gleitet auf ein braunes Samtsofa. In ihrem simplen weißen Kleid und den Sandalen sieht sie aus, wie man sich eine klassische Göttin vorstellt. Man kann sich kaum entscheiden, auf welches zauberhafte Detail man sich zuerst konzentrieren soll: den perfekten Bogen ihres Mundes, das üppige, schwer den Rücken hinunterfallende Haar, die großen dunklen Augen, die einen direkt und prüfend ansehen. Sie lächelt, freundlich, fast ein bisschen verhalten, und greift nach der Schale mit Nüssen.

Auf die Frage nach ihrem Kleid erklärt sie schlicht: „Es stammt aus dem Film.“ Englisch mit unverwechselbar spanischem Sound. „Mein Gepäck ist verloren gegangen, da haben sie mir ein paar Sachen aus dem Fundus gegeben.“ Cruz ist in Barcelona, um mit Woody Allen zu drehen. Mit dabei: Scarlett Johansson, wieder einmal. Die blonde New Yorkerin scheint so etwas wie Allens moderne Diane Keaton zu sein. Bislang läuft der Film nur unter dem Arbeitstitel „Woody Allens Spanisches Projekt“. Cruz will sich zu den Dreharbeiten auch gar nicht weiter äußern. Nur so viel: Die Arbeit mit dem Regiekünstler sei für sie „eine große Sache“.

© Reuters

Sie kann es beurteilen. Pedro Almodóvar hat sie groß gemacht, ein Regisseur, der ähnlich unorthodox arbeitet wie der „Stadtneurotiker“. „Pedro ist seit Jahren einer meiner besten Freunde, oder besser gesagt: Er ist meine beste Freundin – was vielleicht noch tiefer geht“, hat sie einmal gesagt. „Ich erzähle ihm alles. Und ich bewundere seine Kunst.“ Für ihn hat sie sich an die ungewöhnlichsten Rollen herangetraut. Eine aidskranke Nonne etwa, in „Alles über meine Mutter“ (1999). Oder, zuletzt, in „Volver – Zurückkehren“ (2006) eine Mutter, deren betrunkener Mann sich seiner Tochter sexuell nähert.

Für die Rolle erhielt sie den Darstellerpreis bei den 59. Internationalen Filmfestspielen von Cannes und ein paar Monate später den Europäischen Filmpreis als beste Darstellerin. 2007 wurde sie als beste Hauptdarstellerin für den Oscar nominiert. Mehr als ein schöner Achtungserfolg war das für Penélope Cruz, den Hollywoodstar, der keiner ist. Sie spielt mit in der obersten Liga, keine Frage. Zählt Salma Hayek, Demi Moore und Ashton Kutcher zu ihren besten Freunden. Kürzlich, beim Prince-Konzert, bei dem sie in erster Reihe zwischen all den anderen Stargästen saß, ging Prince vor ihr in die Knie, um sie zu besingen. „Madonna von Madrid“ hat Pedro Almodóvar sie einmal genannt.