Teri HatcherSie macht alles richtig

Wenn man nur lange genug weg vom Fenster ist, spaziert man vorn durch die Flügeltüren wieder rein: Dank der hysterisch gefeierten Serie „Desperate Housewives“ beweist Teri Hatcher, dass man niemanden zu früh abschreiben sollte

Einige sagen, der Stress habe mit dem Instyle.de - Die offizielle Seite der Instyle-Cover angefangen. Auf dem sie ganz allein war. Oder mit dem Golden Globe. Den sie ganz allein gewonnen hat. Auf einmal jedenfalls, keiner weiß, wie, war Teri Hatcher der Star von „Desperate Housewives“. Und ihre Kolleginnen, eben noch allerbeste Freundinnen, freuten sich für sie derart angestrengt, wie es nur Frauen vermögen, wenn eine von ihnen plötzlich ein kleines bisschen glücklicher, einen Hauch erfolgreicher ist: mit Rasierklingen in den Blicken und Stacheldraht in den Stimmen. Zum genüsslich gefeierten Eklat kam es, als beim Shooting für ein VanityFair-Cover der Zickenkrieg tobte: Nein, Teri solle auf keinen Fall den roten Badeanzug tragen und schon gar nicht in der Mitte stehen dürfen. Tränen flossen, Türen knallten, Mienen entgleisten, dass selbst Botox machtlos war – zu schön, endlich war wieder was los.

Dass uns dieser Hühnerkram überhaupt interessiert, hat zwei Gründe. Erstens war „Desperate Housewives“ ab der dritten Minute der ersten Folge Kult, als sich die Erzählerin der Serie, Marie Alice, nach Verrichtung ihrer häuslichen Pflichten eine Kugel durch den Kopf jagt und fortan die Ereignisse aus dem Jenseits kommentiert. Sofort war klar, dass es nicht um „Sex and the City“-Trivialitäten wie die richtigen Schuhe oder den richtigen Lover ging, sondern um einen langen, harten Blick auf all die Entscheidungen, die man schon getroffen hat, und das Leben, das man deswegen nun führt.

Der zweite Grund, natürlich: Teri Hatcher. Von ihr kann man lernen, dass es nicht darauf ankommt, dass man gewinnt, sondern wie man gewinnt. In ihrer Golden-Globe-Rede dankte sie den Produzenten, „die mir eine zweite Chance gaben, obwohl ich so was von weg vom -Fenster war“. Weiß Gott, das war sie: 40, zweimal geschieden, alleinerziehende Mutter. Ex-Bond-Girl, Ex-Freundin von Superman, Ex-alles-Mögliche. Letzter erwähnenswerter Job: Werbefigur für eine Medienmarktkette. Ihr Agent hat es am Ende nicht mal mehr geschafft, ihr Auditions zu vermitteln. Irgendwann lag sie heulend auf dem Küchenboden, „vorm Herd, da war es am wärmsten“ – um die Karriere ging es da schon längst nicht mehr, nur noch um die Hypothek.

Dann kam die Serie, ein Sechser in der Lotterie des Lebens. Und Teri Hatcher hat mit 40 Jahren endlich begriffen, dass es Zeit ist, den Erfolg zu genießen und ihr Angebrannter-Toast-Syndrom abzulegen: „Meine Mutter hat sich früher stets das knurpseligste Bratenstück, den verkokelsten Toast genommen. So war ich auch immer. Ich dachte, wenn ich was Gutes kriege, nehme ich es jemand anderem weg.“

Und jetzt? Nimmt sie das Geld, den Ruhm, den roten Badeanzug auf dem Vanity-Fair-Cover. Jetzt verlangt sie, dass immer Süßigkeiten und Desserts am Set sind. Jetzt flirtet sie mit den Kameraleuten, fährt einen VW-Bus von 1978, sagt in Interviews Sachen wie: „Jedes Cover, auf dem ich erschienen bin, ist zu Tode retuschiert worden. Keine Frau der Welt sollte glauben, dass man so aussehen kann“ und: „Wenn jemand so blöd wäre, mir 20 Millionen für einen Film zu zahlen, bin ich nicht sicher, ob ich danach weiter arbeiten würde.“ Jetzt ist sie das, was wir alle sein sollten: ein kleines bisschen glücklicher als die anderen. Und stolz darauf.

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