Nadja Auermann Das Interview
Nadja Auermann: Wenn ich vor meinem kleinen Patenjungen stehe, denke ich manchmal: Nimm ihn doch einfach mit. Dann hätte er ein eigenes Zimmer, wäre mit Spielzeug eingedeckt und könnte alles haben, was Kinder glücklich macht. Ich möchte ihn glücklich sehen. Dabei denke ich, dass kein noch so großes Lego-Auto ihm jemals das geben kann, was die Menschen, seine Dorfgemeinschaft in Thailand so einzigartig macht: Würde, Respekt und Verantwortung füreinander, das heißt Liebe, die man mit Geld nicht kaufen kann.
Große Worte, die derzeit – Stichwort Steuerhinterziehung und soziale Ungerechtigkeit – auch in Deutschland heftig diskutiert werden.
Wir leben hier in einer Halligalli-Gesellschaft, und es wird Zeit, wieder über Werte und soziale Verantwortung zu sprechen. Erfolg bemisst sich bei uns nicht mehr an dem, was man erreicht hat, sondern an dem, was man nicht erreicht hat. Vor allem materiell. Das ist schräg und buchstäblich verrückt.
Was ist denn für Sie Erfolg?
Ganz einfach. Wenn ich mich glücklich fühle. Weil meinen Kindern schmeckt, was ich koche. Weil ich es geschafft habe, blitzschnell auszuparken. Erfolg ist die Aneinanderreihung vieler zufriedener Momente. Aber fängt das „schneller, besser, reicher“ nicht schon bei Kindern an? Findet Ihr Sohn es nicht cool und beeindruckend, ein reiches Supermodel zur Mutter zu haben?
Mein öffentliches Leben bleibt bei uns vorwiegend draußen. Im übrigen glaube ich, dass unsere Kinder anders unterwegs sind. Sie wissen schon mit acht, was „Fairtrade“ ist. Kinder sind per se weltoffen, tolerant, mitfühlend. Neulich waren wir in einem schicken Berliner Restaurant zum Essen. Da bat Nicolas die Bedienung um einen Quittungsblock, malte Bilder darauf und verkaufte sie im Restaurant. Der Gewinn – so erklärte er es auch den Gästen – ging an die Armenspeisung „Zehlendorfer Suppenküche“.
„Change“ – Wandel, ist auch das große Motto in den Vereinigten Staaten. Der Fotograf Peter Lindbergh hat Sie für ein amerikanisches Modemagazin kürzlich an die Seite aller Präsidentschaftskandidaten montiert. Für wen würden Sie stimmen?
Ich glaube, Hillary Clinton wäre eine vorzügliche Präsidentin. Sie ist zwar ein bisschen kühl, aber das ist für ihr Amt ja gar nicht schlecht. Sie ist eine Frau. Und Frauen, glaube ich, haben es von Natur aus im Blut, Verantwortung zu übernehmen. Andererseits, Barack Obama wäre als erster Schwarzer an der Spitze der USA auch ein Meilenstein. Rassismus ist in den USA immer noch ein Thema.
Stimmt es eigentlich, dass Sie als Kind selbst einmal Bundeskanzlerin werden wollten?
Ja. Oder Primaballerina.
Gut nachvollziehbar. Sie haben ja auch einen Guinness-Buch-Eintrag als Model mit den längsten Beinen der Welt.
Aber das mit dem Tanzen wird nichts mehr … (lacht) Kanzlerin könnte ich allerdings noch werden.
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