BurberryBackstage bei Bailey

Text: Markus Weiß
© Burberry

Backstage nach einer Fashionshow ist wie der Schlussverkauf im Warenhaus! Es ist laut, es ist hektisch und beherrscht von völligem Chaos. Wenn Backstage wie ein Ausverkauf ist, dann ist Christopher Bailey das Stück Couture, um das sich alle reißen. Der Brite versinkt schier in dem Getümmel von Objektiven, die alle auf ihn gerichtet sind. Er ist der Mann der Stunde und das schon seit sieben Jahren.

Das Geheimnis des Jungbrunnens

Der Mann mit der nicht zu bändigenden Frisur brachte frischen Wind in das Traditionsunternehmen, das zu England gehört wie Westminster Abbey zu London. Waren Karos und Trenchcoats bis dahin etwas, das fünfzigjährige Upper-Class-Briten auf dem Weg zum Fünf-Uhr-Tee im Salon um die Ecke trugen, wurden sie schlagartig zum It-Objekt.

Die sanfte Modernisierung ist eine Kunst und Bailey beherrscht sie wie im Schlaf. Binnen kurzer Zeit entstaubte er das Mode-Urgestein Burberry und tauchte es in den gleichen Jungbrunnen, in den er gefallen sein muss, denn äußerlich ist der 37-Jährige nach wie vor das Babyface der Branche – ein großer Vorteil, wie er behauptet.

Spring/Summer 2009

Dabei war Bailey auch vor Burberry kein unbeschriebenes Blatt in der Modeszene. Er sammelte Erfahrung bei Karan und Gucci, bevor er sich Trench und Co verschrieb. Seitdem greift er jede Saison aufs Neue Elemente auf, welche zwar die Handschrift von Burberry tragen, aber dennoch wie frisch erfunden wirken. „Das ist ein leichter Job, wenn man dabei so viel Spaß hat.“

Rückblickend scheint Bailey genau der geniale Künstler gewesen zu sein, den ein Label wie Burberry so dringend brauchte. Er kopiert das Originalbild nicht einfach, sondern verbessert es und verleiht ihm eine ganz eigene Handschrift.

Sein Können und die Natürlichkeit machen den Briten zu einem der Lieblinge der Modeszene. Wie er jetzt Backstage mit einem dauerhaft spitzbübischen Lächeln zwischen all den Kameras steht, Witze reißt und schelmisch zwinkert wie der Junge von nebenan, fällt es fast ein wenig schwer, zu glauben, dass er verantwortlich für das Wunderwerk ist, welches vor nicht einmal zehn Minuten im Palazzo Serbelloni über den Laufsteg gerauscht ist. Agyness Deyn auf dem Catwalk und Anna Wintour in der ersten Reihe – diese Show ist nicht nur in Sachen Mode erstklassig gewesen.

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Backstage bei Bailey