Louis VuittonDie K-Frage

Text: Stephanie Neumann

Pechschwarz – so ist der vom dänischen Künstler Olafur Eliasson gestaltete Lift, der in die Galerie im siebten Stock des Louis-Vuitton-Flagship-Stores an den Champs-Elysées führt. Und dabei sollte er eigentlich hell sein, transparent und lichtdurchflutet. Wie konnte das passieren? Tja, wenn schon Firmengründer Vuitton ein großer Kunstfan war und sich ab 1874 regelmäßig mit den damals noch relativ unbekannten Impressionisten traf, dann ist es keine Überraschung, dass man auch heute im Hause des französischen Luxuslabels ein Herz für künstlerische Freiheit hat. Und das eben nicht nur, wenn es um die Gestaltung edler Taschen geht.

Auch die der Shops und der hauseigenen Pariser Galerie, dem „Espace Louis Vuitton“, liegt in Künstlerhand.

Da wird zum Beispiel der Belgier Arne Quinze eingeladen, um anlässlich der Boutique-Eröffnung im Münchner Departmentstore Oberpollinger eine große Installation in der Fußgängerzone zu bauen. Bei Louis Vuitton verschmelzen Kunst und Mode zu einem großen Ganzen.

Warum man auch in einem Museum Handtaschen verkaufen kann und Schaufenster schon mal leer sein dürfen, erklärt Pietro Beccari, Marketing- und Kommunikationschef von Louis Vuitton.

AMICA: Wieso passen Kunst und Mode so gut zusammen?

Pietro Beccari:
Beide haben eine Vision von der Realität. Sie schauen in die Zukunft. Manche Sachen auf dem Laufsteg sehen aus wie Kunstwerke und scheinen nicht ins Jetzt zu passen. Aber später schaffen sie es, Teil der Wirklichkeit zu werden und sie zu beeinflussen. Sie werden zum Trend. Dieses Interesse verbindet Kunst und Mode.

Es ist ja in der Mode gerade sehr angesagt, mit Künstlern zu kooperieren …

Aber wir waren eine der ersten. Die Familie Vuitton hat schon sehr früh mit den Impressionisten zusammengearbeitet. Kunst ist Teil unseres Erbes und das möchte ich nicht mit Marketing-Konzepten vermischen.

Klingt gut, aber haben denn die Künstler bei Ihnen wirklich künstlerische Freiheit?

Oh ja. Ein Beispiel: Vor zwei Jahren hat Olafur Eliasson die Weihnachtsdekoration für die Schaufenster von 350 unserer Stores übernommen. Er sagte zu uns: Ich werde ein fantastisches Lichtauge machen. Wir sagten: Sehr gut, aber wo tun wir dann die Produkte hin? Er erwiderte: „Eye See You“ ist ein Kunstwerk. Es muss für sich stehen.

Und wie haben Sie reagiert?

Wir mussten allen sagen, dass wir mitten im Weihnachtsgeschäft diesmal keine Produkte im Schaufenster haben werden. Aber es war die schönste Sache, die wir je in der Geschichte von Louis Vuitton gemacht haben.

Sie erleben also mit Ihren Künstlern immer wieder solche Überraschungen wie mit dem Lift, der statt hell stockdunkel wurde?

Ja. Aber das ist der Beweis dafür, dass wir unseren Künstlern absolute Gestaltungsfreiheit geben.

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