Interview mit „Tatort“-StarAdele Neuhauser

von AMICA Online Redakteurin J'adore les Parisiennes!
Alle Infos zu Kerstin: oder folge mir auf
Charakterkopf mit Wiener Schmäh
Adele Neuhauser, Tatort, Wien

Gezeichnet von Alkohol, Berufsstress und Beziehungsdramen: Als Bibi Fellner spielt Adele Neuhauser an der Seite von Chefinspektor Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) eine Frau mit vielen Spannungen. Zum zweiten Mal war die gebürtige Griechin am 29. Mai im Wiener „Tatort“ zu sehen. Das Debüt „Vergeltung“ lockte 8,33 Millionen Zuschauer vor die Fernseher. Seit 2001 ist das ist die höchste Quote für einen vom ORF produzierten „Tatort“. Umso gespannter ist Neuhauser auf die Reaktionen zu „Ausgelöscht“, denn jetzt käme es darauf an, nachzulegen.

AMICA Online: Es ist zwar nicht Ihre Tatort-Premiere, aber das erste Mal in der festen Rolle als Assistentin von Moritz Eisner (Harald Krassnitzer). Wie wichtig ist diese „Tatort“-Rolle für Sie?
Sehr wichtig. Beim „Tatort“ dabei zu sein, fühlt sich an wie ein Ritterschlag. Ich reihe mich hier in eine Riege ein, vor der ich viel Respekt habe.

Da passen Sie ja wunderbar rein. Ich denke immer noch an Ihre charakterstarke Rolle als Mephisto am Theater in Regensburg.
Das haben Sie gesehen? Mensch, wie schön! Endlich mal jemand, der mich vom Theater her kennt. Als Mephisto konnte ich wirklich zeigen, was in mir steckt. Das war eine der wichtigsten Rollen in meinem Leben – dieses seltsame androgyne Wesen.

Wie sehr haben Sie sich darin wiedergefunden?
Es hat mir vor allem die Möglichkeit gegeben alle Register zu ziehen. Je fordernder die Figur, desto mehr entdecke ich über mich selbst. Ähnlich ist es mit der Bibi im „Tatort“. Sie fordert mich sehr.

Womit besonders?
Mit ihren Tiefen, ihren Alkoholproblemen und mit der Gratwanderung zwischen Peinlichkeit und Stärke ist sie eine sehr spannende Persönlichkeit. Gerade dass so ein Thema wie Alkoholsucht einmal auf einer anderen Ebene besprochen wird, finde ich gut. Und dass man sieht, wie die Frau dagegen ankämpft.

© Ingo Pertramer
Schauspielerin Adele Neuhauser spielt an der Seite von Helmut Krassnitzer im Wiener „Tatort“ und bald wieder in der Serie „Vier Frauen und ein Todesfall“.

Eines der Probleme, die Bibi Fellner noch mit sich herumträgt, ist Burn-out. Wie gut können Sie diese Situation nachvollziehen?
Sehr gut. Gerade in der Schauspielerei spüre ich, wie schnell ich eine Grenze erreiche. Wir sind so gepeitscht in unserer Gesellschaft – müssen immer funktionieren, immer lächeln, immer gut aussehen. Bei vielen sind hier sicher die Grenzen sogar überschritten, ohne dass sie es wirklich merken. Bei der Bibi kommt noch die Grobheit des Berufs dazu. Die zwanzig Jahre bei der Sitte waren für sie nicht einfach.

Was machen Sie, um sich zu entspannen?
Ganz einfach raus in die Natur. Beim Spazieren gehen und Wandern relativiert sich einiges. Am liebsten alleine, nichts sprechen und ins Grüne schauen, das ist das Beste.

Besonders Frauen hadern ja oft mit dem Älterwerden. Sie sagten jedoch, dass Sie sich immer jünger fühlen. Wie kommt es, dass Sie sich mit dem Alter so wohl fühlen?
Das ist, weil ich mir immer näher komme. Ich bin wirklich 52 und das fühlt sich gut an. Das Älterwerden beruhigt mich, weil ich mich mehr in meiner Mitte fühle. Jetzt schließen sich Kreise für mich. Dinge, die ich als junger Mensch aufgerissen habe, erledigen sich.

Was hat sich beispielsweise erledigt?
Das unbedingte Bedürfnis geliebt und geachtet zu werden, hat sich entspannt. Ich hab’s jetzt leichter mit mir.

Das Geliebtwerden im Beruf oder im Privaten?
Das würde ich nicht trennen, das gehört für mich zusammen. Ich bin ehrlich, wenn ich spiele und so überträgt sich Lob oder Kritik für eine Rolle auf die private Adele. Denn ob Mephisto, Medea oder Bibi steckt immer viel Herz von mir mit drin. Anders will ich das nicht.

Wie wohl fühlen Sie sich in Ihrem Körper?
Eine Freundin sagte mir unlängst: Hilfe, mein Körper haut mir ab. Das fängt bei mir auch langsam an, aber ich bleibe ihm gewogen.

Wie stehen Sie zu Botox und Co.?
Botox finde ich gruselig und irgendwelche Liftings kämen für mich nie in Frage. Ich bin froh eine Frau mit Ecken und Kanten zu sein. Ich liebe jede einzelne meiner Falten. Sie erzählen ja was.

Welche Anti-Aging-Produkte verwenden Sie?
Ich habe eine sehr gute Feuchtigkeitscreme von Kiehls, das ist alles.

Wie hoch ist der Druck für die Tatort-Frauen, gut auszusehen?
Ich glaube, der Druck ist für alle Frauen hoch. Deswegen mag ich die Bibi, weil sie hier etwas rausfällt und auch ihre hässlichen Momente hat.

© Ingo Pertramer

Was macht einen Mann für Sie interessant?
Ach, er muss nur stark, humorvoll, intelligent sein und ein großes Herz haben. Was jede Frau sich eben vorstellt. (lacht)

Haben Sie wieder jemanden gefunden?
Ja, mein Herz ist beschäftigt.

Bis Sie sich von Ihrem vorherigen Mann getrennt haben, haben Sie sie sieben Jahre überlegt. Wie ist Ihr Verhältnis heute?
Nach 25 Jahren Ehe geht man natürlich nicht einfach so und tschüss… Es sind die positiven Dinge übriggeblieben. Wir haben das sehr gut hinbekommen, sodass wir für den Rest des Lebens sehr gut befreundet bleiben können.

Wie haben Sie das geschafft?
Wir haben vorher so viel gestritten, sodass wir das heute nicht mehr tun müssen (lacht). Ich finde, es ist ein Zeichen von menschlicher Größe, dass wir uns nicht im Gehen zerfleischt haben. Ich liebe ihn nach wie vor, nur eben anders.

1
Adele Neuhauser
Google-Anzeigen
Kommentar schreiben
Name
Überschrift
Ihr Kommentar