Interview mit Jette Joop„Mein Mann liest gerne Gute-Nacht-Geschichten vor“

Text: Lisa Leinweber

Sie entwirft glamouröse Ketten, Ringe & Co. seit elf Jahren. Designte ein modernes Haus, dessen Konstruktion von einem Schmuckstück inspiriert wurde und macht jetzt auch noch stylische Notizbücher. Die Kreativität der Jette Joop ist grenzenlos, vielfältig und immer wieder überraschend. Sie erfindet sich immer wieder neu und definiert die Marke „Jette“ mit weiteren Facetten neu.

Neue Produktideen scheinen der 43-Jährigen nur so zuzufliegen und so entstanden bereits zahlreiche Kooperationen mit namhaften Herstellern: Besteck, Wandfarben, Kinderwagen, Küchen und Tapeten.

Im Interview mit AMICA Online sprach Jette Joop über ihren neuesten Design-Coup mit der Firma Sigel, die Herausforderungen einer erfolgreichen Business-Mama und die intime Schönheit der eigenen Schrift.

AMICA: Frau Joop, Sie machen neben Schmuck auch Uhren, Düfte, Taschen, Schuhe, Sonnenbrillen, Tagesbrillen und Mode für Frauen. Das sind jedoch nur ihre regulären Design-Linien. Woher nehmen Sie Zeit und Energie für all diese Projekte?
Jette Joop: Es ist, um das Ganze nicht zu beschönigen, ein großer Kraftakt und es gibt dann tatsächlich auch Wochen, wo viele Termine sehr eng gelegt sind. Da sage ich schon mal: „Jetzt muss ich eine Pause machen oder ein paar Tage komplett freiräumen.“ Grundsätzlich versuche ich den Terminplan so zu koordinieren, dass ich nicht permanent an meine Grenzen stoße.

Wie verbringen Sie solche Freiräume dann am liebsten?

Manchmal gehen wir dann ohne Termindruck ins Büro.

Ein echter Workaholic also. Woran ist bei diesen unterschiedlichen Linien dennoch die „Jette Joop“ zu erkennen?

Attribute wie Femininität und Wertigkeit sind „Jette“ in jedem Fall zuzuschreiben. Alle Designs sind für Frauen, die Wert auf besondere Qualität legen. Immer wieder tauchen jedoch auch Metall-Details auf, die von meinem Automobildesign-Studium inspiriert sind.


Must-Have für jede Business-Frau

Welche drei Dinge muss eine moderne Geschäftsfrau wie Sie immer in der Handtasche haben?
Ein Notizbuch – natürlich – falls jedes andere technische Gerät ausfällt. Ohne mein reguläres olles Handy und Feuchtigkeitstücher gehe ich auch nicht aus dem Haus. Früher sah diese Zusammenstellung natürlich noch etwas anders aus …

Sie
schaffen den Spagat zwischen Business-Frau und Mutter einer Jugendlichen und eines Kleinkindes jeden Tag aufs Neue. Welche Tipps haben Sie für Frauen, denen es ähnlich geht?
Man sollte mit sich selber nicht so streng sein. Ich glaube, es gelingt in keiner Situation, mit einem kleinen Kind etwas perfekt hinzukriegen. Will man beispielsweise gerade das Haus verlassen, Küsschen oder kein Küsschen, schon ist mit der Marmeladen-Hand an die Jacke gefasst. Man muss sich die Chance geben, zu sagen: „Ich will 100 Prozent, schaff` aber wahrscheinlich nur 75 Prozent.“

Gibt es da manchmal auch Abende an denen Ihr Mann Ihrem Dreijährigen die Gute-Nacht-Geschichten vorliest?

Ja und nein. Mein Mann und ich verbringen jeden Abend gemeinsam bei unserem Jüngsten. Er liest aber sehr gerne die Gute-Nacht-Geschichten vor und unser Sohn liebt Geschichten. Er interessiert sich sehr für Bücher. Es ist uns extrem wichtig, dass wir ihn selbst ins Bett bringen und das schaffen wir auch zu 99 Prozent. Die Kinder haben in meinem Leben absolute Priorität.

Bei einem so vollen Terminplan könnte man meinen, Sie hätten keine Zeit innezuhalten und durchzuatmen, woher kommen Ihre Ideen?

Ich bin jemand, der aus Großstädten seine Inspiration zieht. Mich interessieren moderne Architektur und besonders die Lichtwirkung. Ich bin daher sehr gerne in New York oder Berlin. In beiden Städte begegne ich oft völlig verrückten Leuten. Sie wecken neue Interpretationsmöglichkeiten und Ideen für Mode.

1
„Mein Mann liest gerne Gute-Nacht-Geschichten vor“