Interview mit Anke Engelke„Ich brauche Mut zur Hässlichkeit“

von AMICA Online Redakteurin
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Frauen hätten sie gerne als beste Freundin, Männer sind heimlich in sie verliebt und Kinder könnten ihr stundenlang zuhören: Alle lieben Anke Engelke. Egal, ob als übernervöse und etwas begriffsstutzige Pop-Moderatorin Ricky in „Die Wochenshow“ wie zum Karrierestart, ob in Comedy-Sketches ihrer eigenen Sendung „Ladykracher“, als Moderatorin der Berlinale, als Synchronsprecherin in „Die Simspons“, „Urmel aus dem Eis“ oder „Findet Nemo“. Und um „Findet Nemo“ geht es jetzt wieder. Zum Jubiläum der Geschichte über einen Clownfisch auf der Suche nach seinem Sohn, läuft ab 14. Februar 2013 eine 3D-Version des Films in den Kinos.

Zehn Jahre ist es nun her, dass Anke Engelke die Rolle der an Gedächtnisschwund leidenden „Dorie“ eingesprochen hat. Höchste Zeit also, um auf ihre Karriere zurückzublicken. Mit AMICA Online sprach die 47-jährige Komikerin und Mutter zweier Söhne darüber, ob sie wehmütig auf Vergangenes zurückblickt, privat auch als Ulknudel gilt und warum Fernsehen eigentlich überbewertet ist.

© dpa
Bei der Eröffnungsgala der 63. Berlinale: Anke Engelke

AMICA Online: Frau Engelke, haben Sie auch eine Macke wie Dorie?
Anke Engelke:
Klar, viele, aber die verrate ich nicht. Die Hauptschnittmenge zwischen Dorie und mir liegt wohl im fröhlichen Gemüt. Ich habe einfach Freude am Leben, an so kleinen Dingen wie Fragen aufgeweckter Kinder. Aber im Gegensatz zu Dorie erkenne ich übertrieben oft den Ernst von Angelegenheiten – das blitzt bei ihr nur manchmal auf.

Das heißt privat Sie sind nicht immer lustig?
Genau, ich beiße mich häufig an Sachen fest und bin moralisch extrem dicht gestrickt. Ich achte sehr auf andere und auf mich. Damit meine ich nicht nur, dass ich hilfsbereit bin und keine Omas vor Busse schubse. Ich habe strikte moralische Grenzen, an denen ich mich orientiere. Das hilft mir. Und es hilft anderen, wenn ich klare Ansagen mache. Zum Beispiel, dass ich in der Öffentlichkeit nicht über meine Kinder spreche.

Man kann Sie also nicht als überehrgeizige Mutter bezeichnen, die Ihre Kinder zu Stars erzieht?
Auweia, nein! Wenn ich mit anderen Kindern rede, fällt mir schnell auf, ob bei ihnen zuhause Druck und Verunsicherung herrschen. Da möchte ich eigentlich sofort hingehen und erst einmal einen Spruch drücken, um Eltern oder Kinder aufzurütteln. Manche Familien müsste man in einen Raum sperren, damit sie sich endlich aussprechen, anschreien, oder umarmen. Hinter Kinderschauspielern oder -reportern stehen oft zu ambitionierte Eltern. Ist doch ätzend, wenn ein Kind nicht mehr Kind sein darf. Mit 16 schon erwachsen sein zu müssen, halte ich für falsch.

Welche Rolle spielt dabei das Fernsehen?
Meine Devise lautet: je weniger Fernsehen, desto besser. Ein bis zwei Mal pro Woche fernsehen reicht doch vollkommen. Ansonsten: ins Kino gehen, Bücher vorlesen oder lesen, basteln, kochen oder schmusen und auf Bäume klettern. Fernsehen ist überschätzt (lacht laut auf).

In „Findet Nemo“ dreht sich alles um die Vater-Kind-Beziehung. Kommen da Erinnerungen an Ihre eigene Kindheit auf?
Im Film entdecke ich viele Dinge, die ich in meiner Erziehung mitbekommen habe: Eine Art von Ruhe – Unterwasserwelt bedeutet für mich persönlich zwar leider Hektik und Monster, aber natürlich auch Freiheit und Geborgenheit.

Kennen Sie diese „Ich hasse dich“-Situation zwischen Eltern und Kindern?
Nein, so bin ich nicht aufgewachsen. Aber man weiß ja, dass in manchen Familien Kinder und Eltern nicht sehr respektvoll miteinander umgehen. Das wird auch immer extremer, glaube ich.

Zehn Jahre sind die Synchronaufnahmen nun schon her – denken Sie manchmal „Hilfe, wie schnell die Zeit vergeht“?
So denke ich eigentlich nicht, ich lebe gern in der Gegenwart. Aber im Zuge der Filmpromo blicke ich schon zurück und denke darüber nach, wie es damals war. Dass ich zwar schon synchronisiert hatte, aber beim Einsprechen ganz schön gefordert und teils überfordert war. Das war sogar körperlich harte Arbeit. Außerdem kam der Auftrag an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich Neues ausprobieren wollte.

Das war nachdem Sie bei der „Wochenshow“ ausgestiegen waren. Was empfinden Sie als Hoch- und Tiefpunkte Ihrer Karriere seither?
Also „Anke Late Night“ ging gründlich in die Hose. Aber wie man so phrasenhaft sagt, war es eine gute Erfahrung für mich, diese schlechte Erfahrung gemacht zu haben. Die Arbeit hat zwar unglaublichen Spaß gemacht, aber ich habe das schlichtweg vergeigt, weil es nicht mein Format war. Daraus habe ich gelernt. Alles andere war eine ganze Reihe an Höhepunkten: „Ladykracher“, „Die Simpsons“, „Die Sendung mit dem Elefanten“ …

Anke Engelke - Seite 2

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