ValentinoDie Welt sieht rot

Text: Markus Weiß
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Was würden sie mit 300 Millionen Dollar anfangen? Ein Haus in der Sonne kaufen und sich zur Ruhe setzen? Manch einer würde das machen, nicht aber Valentino. Als er 1998 sein Modehaus verkaufte und diese unglaubliche neunstellige Summe erhielt, kam ein Rückzug aus seiner Passion für den gut gebräunten Italiener nicht in Frage.

Erst neun Jahre später verkündete er, sich zurückziehen zu wollen. Er hat das Versprechen gebrochen und dafür ist ihm die Welt dankbar. Derzeit tourt der „letzte Kaiser“ mit einem Film über sein Leben durch die internationalen Filmfeste und lässt sich feiern – nach sechzig Jahren Liebe zur Mode.

Der letzte Kaiser
AUTUMN/WINTER HAUTE COUTURE COLLECTION: VALENTINO
Ein Leben für die Schönheit

Der Siegeszug des Herrn Garavani begann Ende der vierziger Jahre, als er das kleine Städtchen Voghera in der Lombardei verließ, um an der „Ecole des Beaux Arts“ und der „Chambre Syndicale de la Couture Parisienne“ zu studieren. Schon damals war es sein klares Ziel, der Modewelt seinen ganz eigenen Stempel aufzudrücken.

Kein anderer Designer hat es bisher geschafft, dass ein Farbton nach ihm benannt wurde. Es gibt kein „Armani-Weiß“ oder ein „Lagerfeld-Schwarz“ – das „Valentino-Rot“ hingegen ist jedem ein Begriff.

In seiner gesamten Laufbahn konnte sich der mittlerweile 76-Jährige voll und ganz auf die künstlerische Arbeit konzentrieren – ein Luxus, den er vor allem einem Mann verdankt – seinem Partner und ehemaligem Freund Giancarlo Giammetti.

„Ich bin in der ganzen Zeit, die ich Valentino kenne, und das sind mittlerweile 45 Jahre, vielleicht zwei Monate von ihm getrennt gewesen“, gab der smarte Italiener mit den silber-schwarzen Haaren in einem Interview zu. Es ist eine Bindung, die über die Arbeit als reiner Geschäftspartner und selbst über die als Liebhaber hinausgeht.

„Ich weiß, was Frauen wollen, sie möchten hübsch aussehen!“

Die viele Arbeit hat sich ausgezahlt. Valentino ist ein Name, der nicht mehr aus der Modegeschichte zu streichen ist. Die Liste seiner Kundinnen ist lang – und prominent! Elizabeth Taylor, Audrey Hepburn, Jacqueline Kennedy oder Prinzessin Margareth: Er kleidete sie alle ein.

Das zahlte sich natürlich aus! Allein an Immobilien besitzt Valentino Garavani ein Vermögen. Ein Anwesen bei den Stadtmauern von Rom, eine Villa an der Spanischen Treppe, ein Appartment am Central Park, das Chateau de Wideville in Frankreich – die Reihe ließe sich mit Yachten, Flugzeug und Kunstwerken fortführen.

Als er sich vor zwei Jahren aus dem aktiven Schaffen in der Modebranche zurückzog, ließ er mehr als ein halbes Jahrhundert Arbeit als Designer und Erschaffer von Kleiderträumen hinter sich. Der Film über sein Leben feiert ihn jetzt als das, was er laut vielen Kennern der Branche ist: ein Kaiser.

„Nach mir die Sinnflut“

Nur in einem Punkt liegt der Film falsch! Valentino ist nicht der letzte Kaiser, denn neue Herrscher rücken nach, und Kaiser Karl, den deutschen Kopf in der Moderegenten-Reihe, zu überspringen, das wäre ein unverzeihlicher Fauxpas. Weniger einzigartig macht das den stets gebräunten Mann mit der doppelten Staatsbürgerschaft (Italien und Frankreich) sicher nicht. Es gibt eben Dinge, die auch ein grandioser Designer wie Valentino teilen muss – und wenn es auch nur ein Titel ist.

Titel: Valentino – Eine italienische Legende

Herausgeber: Tyrnauer, Matt / Menkes, Suzy / Miscellaneous

Verlag: Taschen

Preis: 49,99 Euro