Claudia SchifferCool, cooler, Claudia

Text: Eckhart Nickel

Fast schon vergessen: Auch Model war mal weniger Beruf als vielmehr Berufung. Wer entdeckt werden sollte, hatte gefälligst gesucht zu werden wie Edelweiß oder die Auster mit der Perle; und dann zu seinem Glück, wenn nicht gezwungen, so doch überredet zu werden. Die Mühelosigkeit, mit der Claudia Schiffer, sehr brave katholische Schülerin aus Rheinberg mit beeindruckend guten Zensuren, zum Starmodel wurde, hätte sie bei „Germany’s Next Topmodel“ wahrscheinlich bereits in der Vorrunde disqualifiziert.

Zu ausgeprägt würde man ihre Gesichtszüge heute vielleicht finden. Zu stark ihre markanten Wangenknochen, zu groß die Zähne, zu tief die Mundwinkel und zu offensichtlich die frappierende Ähnlichkeit mit Brigitte Bardot. Die fiel dem Chef der Agentur Metropolitan, Michel Levaton, in den Eighties in der Düsseldorfer Diskothek „Checker’s“ sofort ins Auge, als er die tanzende Claudia bestaunte und gleich zum ersten Fotoshooting mit nach Paris nehmen wollte.

Was er gefunden hatte, war die Erfüllung eines bilateralen Traums: eine französische Ikone mit teutonischen Zügen. La Düsseldorf sozusagen, wie eine deutsche Band dieser Zeit sich nannte. Doch Levaton, so geht die Legende, wurde von der selbstbewussten Rheinländerin abgesnobt. Dafür schaffte er es, in den Besitz der Kontaktdaten ihrer Eltern zu gelangen – und diese von der Unabdingbarkeit ihrer Modelkarriere zu überzeugen.

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Cool, cooler, Claudia