Claudia SchifferSie ist die deutsche Sphinx

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Vier Jahre später ist Claudia Schiffer das Gesicht von Chanel – handpicked by Karl Lagerfeld himself – und teuerstes Fotomodell der Welt. Schon damals freilich zugleich das unspektakulärste. Wo die Mitstreiterinnen ihrer Generation von Naomi Campbell bis Linda Evangelista kein Glas Champagner unbenippt stehen ließen, fehlte die Deutsche bei den legendären Exzessen der After Hours.

Auch in der Wahl der Männer an ihrer Seite hebt sie sich ab. Wo Evangelista einem smarten Intellektuellen wie David- Lynch-Schauspieler Kyle MacLachlan den sanguinischen Nationaltorhüter der Franzosen, Fabien Barthez, folgen ließ, zeigt Claudias Wahl eher das Psychogramm einer vom enormen Erfolg eingeschüchterten Preußin. Und zwar einer, der das Gehabe in der Modeszene so fremd ist, dass sie lieber, um keinen schlechten Eindruck zu machen, heimlich Wasser in ihr Weißweinglas mischt, als in den Ruf einer Spaßbremse zu geraten.

Der erste Freund ist selbst Model, der zweite gleich weltberühmter Magier: Als David Copperfield 1993 Claudia in seinen Bann zieht, sieht es fast so aus, als sei die große Blonde der Welt abhanden gekommen. Dabei verbringt sie nur die wilden Neunziger auf einer kleinen Insel namens Privatleben.

Mit unbeirrbarem Instinkt für Trends (die boomende Kunstszene) begibt sich die „Schönste der Schönen“ („Paris Match“) an der Seite von Galerist Tim Jefferies 1999 zurück ins Rampenlicht, um schließlich in Filmregisseur und -produzent Matthew Vaughn den Mann fürs Leben und Vater ihrer Kinder zu finden. Während andere Models ihre ersten Nacktaufnahmen in Modemagazinen früh als Karriere-Boost zündeten, wurde Claudia ganz ruhig zweifache Mutter, um sich in ihren späten Dreißigern für die französische „Vogue“ hüllenlos zu zeigen.

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Sie ist die deutsche Sphinx