YSL-RetrospektiveGedanken eines Genies

Text: Verena Breitbach
Kreationen des Couturiers

Sein Leben sei mit dem Tod Yves Saint Laurents auch zu Ende gegangen, sagt Pierre Bergé. Denn „mit ihm hing alles zusammen“ und „er war derjenige, der mir die Augen öffnete.“

Bergé und der Modeschöpfer hatten einst gemeinsam das international bekannte Modehaus Yves Saint Laurent (YSL) gegründet und 50 Jahre lang Seite an Seite gelebt. Der Geschäftsmann war es, der den schüchternen Yves Saint Laurent regelmäßig auf die Bühne „zerren“ musste.

Jetzt führt er durch dessen Lebenswerk. Mehr als 300 Entwürfe aus 40 Jahren Schaffenszeit zieren die Räumlichkeiten des „Petit Palais“ in Paris. „Die Ausstellung zeigt mehr als nur seine Mode, sie erzählt eine Geschichte“, merkt der Mäzen Bergé an, der die Schau mitorganisiert hat.

© AFP
Pierre Bergé
Designen als sozialer Akt

„Yves hat keine Mode gemacht, er lehnte sie ab“, so Pierre Bergé. Vielmehr habe er die Kleidung Stück für Stück verändert. „Er hatte den absoluten Blick. Es ging ihm weniger um die Kleidung, als vielmehr um den sozialen Akt. Er respektierte die Gesellschaft. Er respektierte den anderen und den Körper. Ebenso respektierte er die Veränderungen in der Gesellschaft“.

Die ausgestellten Kreationen zeigen YSL außergewöhnliche Ideenvielfalt und große Begabung. Da finden sich glamouröse Abendroben genau so wie die berühmten Hosenanzüge für Frauen, mit denen der Couturier 1958 die Modewelt revolutionierte. Sie stammen aus seiner ersten Kollektion für das Pariser Modehaus Dior.

Diener der Damen

Pierre Bergé: „Yves Saint Laurent wollte den Frauen dienen. Er wollte Kleidung für moderne Frauen entwerfen, die aktiv sind und auch Auto fahren. Er wollte sie perfektionieren“. So staffierte der Designer regelmäßig auch die schöne Catherine Deneuve aus, die zeitlebens Inspirationsquelle und enge Freundin zugleich war.

Der 1936 in Algerien geborene Modeschöpfer Yves Saint Laurent sei ein „zerbrechliches Kind“ gewesen, verrät Bergé, der jüngst ein Buch schrieb, um über den schmerzlichen Verlust von YSL hinwegzukommen. In seinem Werk „Lettres à Yves“ plaudert Bergé über pikante Details aus deren homosexueller Liaison Saint-Laurent-Bergé.

Die große Retrospektive zu Yves Saint Laurent im Pariser Petit Palais läuft noch bis zum 29. August 2010.

© The Estate of Jeanloup Sieff 1971

Kurz-Bio von Yves Saint Laurent:

1936 in Algerien geboren
Mit 17 Jahren kam er nach Paris und wurde ein Jahr später Assistent von Christian Dior
– Nach dessen Tod 1957 wurde YSL künstlerischer Direktor des Modehauses und gründete später mit Pierre Bergé sein eigenes Modehaus
– YSL zog sich 2002 aus seinem Modehaus zurück und verstarb im Juni 2008 im Alter von 71 Jahren