Cannes Wer hat wirklich Stil?

 

Kaum ein Film passt so gut zum Festival in Cannes wie „Marie Antoinette“ von Sofia Coppola. Die Fixierung auf Schönheit und Glamour, die Sucht nach Verschwendung und Vergnügen, die abgeschlossene höfische Gesellschaft, in die niemand ohne offizielle Einladung Einlass findet, die Oberflächlichkeit: Das Leben im Schloss von Versailles kurz vor der Französischen Revolution kommt dem Festivalzirkus dieser Tage sehr nahe – nur dass in Cannes niemand dafür geköpft wird.
Text: Daniela Baier
Die Buhs nach der Pressevorführung am Mittwochmorgen hat die 35 Jahre alte Regisseurin im Prinzip nicht verdient. Die Erwartungen an den Wettbewerbsbeitrag waren nach vielen eher mittelmäßigen Filmen einfach zu hoch. Doch anders als in ihrem Hit „Lost in Translation“, der mit Tiefgang und lakonischem Humor überzeugte, spielt Coppola jetzt die „Mädchenkarte“ aus. Die Tochter von Francis Ford Coppola hat selbst einen Ruf als modische Stilikone zu verteidigen und schwelgt in Kostümen, Ausstattung und der Üppigkeit des Original-Drehorts Versailles.

Sofia Coppola interpretiert die Geschichte sehr modern und locker. Ihr Film ist sinnlich und sexy wie ein langer Video-Clip mit moderner Musik von Bands wie New Order. Dass sie an der Oberfläche des eigentlichen Dramas kleben bleibt, liegt vor allem an Kirsten Dunst als Titelheldin. Die junge Amerikanerin aus „Spiderman“ verjagt auch als politisch missbrauchte, verunsicherte Marie Antoinette alle Ängste und Schrecken mit einem unpassend patenten Cheerleader-Lächeln.

Und auch auf dem roten Teppich kam die Schauspielerin nicht besonders gut an: In ihrem blaugrauen, biederen Seidenkleid wirkte Kirsten Dunst gut zehn Jahre älter.
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