Berlinale-Endspurt in der StilkritikAmanda Seyfried ohne BH, Juliette Binoche als Punk

Die Tops und Flops
Berlinale 2013, Tops und Flops, Top und Flop

Die Welt zu Gast in Berlin. Von den eisigen Temperaturen unbeeindruckt, wählen die Stars aus den USA oder Frankreich hochgeschlitzte Kleider, transparente Outfits oder ausladende Rückendekolletés für ihre Auftritte. Mit Jane Fonda, Charlize Theron oder Amanda Seyfried kam der Glamour Hollywoods an die Spree. Letztere durchbrach diesen ein wenig indem sie durchblitzen ließ, dass der BH bei ihrer beneidenswerten Figur unnötig ist. Aber schließlich hatten die Berlinale-Veranstalter auch kein „Nacktverbot“ ausgesprochen, wie das für die Grammys der Fall gewesen war. Etwas ganz Zartes schleppte Anne Hathaway zur Vorführung von „Les Misérables“ in Berlin hinter sich her. Weil die Schauspielerin seit der harten Filmrolle eine noch zartere Figur hat, schwebte sie wie eine Nachtelfe über den roten Teppich. Lediglich die über die Augen frisierten Haare passten nicht ganz dazu.

Eine ähnliche Haarpanne präsentierte Juliette Binoche, die mit punkiger Igelfrisur zur Vorstellung von „Camille Claudel 1915“ erschien. Auch sonst hatte sie an diesem Abend die Leichtigkeit der französischen Eleganz im Hotel gelassen. Glücklicherweise überzeugte sie bei anderer Gelegenheit davon, dass das nur ein vorübergehender Zustand war. Neu entdeckt am Fashion-Himmel: die Französin Louise Bourgoin, die gleich zwei Lieblingslooks im Endspurt der 63. Berlinale präsentierte. Ein romantisches Blütenkleid zum Flechthaarkranz und eine Robe mit königsblauem Oberteil und schwarzem Glockenrock.

Die Tops und Flops
Berlinale 2013 - die Kleider auf dem roten Teppich

Das Rennen um den Goldenen Bären geht in die Zielgerade. Am Samstag verkündet die Berlinale-Jury die Gewinner der Festivaltrophäen. Nach einer durchwachsenen ersten Halbzeit wird nun unter Kritikern und Publikum fieberhaft nach echten Bären-Kandidaten Ausschau gehalten. Filme aus Chile, dem Iran und Rumänien stehen derzeit hoch im Kurs bei den Festivalbesuchern.

Doch auch ein Blick auf die Nebenreihen der Berlinale lohnt sich: In der Special-Reihe hat am Donnerstag ein aufwühlender Film zweier deutscher Filmemacher Weltpremiere. In ihrer Dokumentation „Unter Menschen“ erzählen Christian Rost und Claus Strigel von 40 ehemaligen Labor-Affen, die heute schwer traumatisiert in einer Anlage in der Nähe von Wien betreut werden.

Die illegal aus Sierra Leone nach Europa gebrachten Schimpansen waren Versuchstiere für die Entwicklung von Aids- und Hepatitis-Impfstoffen. Sie lebten jahrelang in völliger Isolation – ohne Tageslicht und ohne Kontakt zu Artgenossen. Jetzt lernen die Affen langsam, in Gruppen zu leben und sehen im Außengehege erstmals die Natur. „Es ist tief berührend, wie die Tiere miteinander umgehen“, so Strigel. Die heutigen Pflegerinnen der Affen sind die selben, die die Schimpansen damals im Labor betreut haben.

Im offiziellen Wettbewerb standen am Mittwoch Filme aus den USA und Bosnien und Herzegowina auf dem Programm. Dramatische Szenen spielen sich in dem mit Laienschauspielerin gedrehten Werk „An Episode in the Life of an Iron Picker“ („Epizoda u zivotu beraca zeljeza“) von Danis Tanovic ab. Eine Roma-Familie spielt darin eine Episode aus ihrem eigenen Leben nach. Weil die Familie das Geld für die Krankenhausbehandlung der Mutter nicht bezahlen kann, stirbt die schwangere Frau fast. „Es war schmerzhaft, diesen Film zu machen. Aber es ist mir wichtig. Denn ich möchte nicht, dass noch einmal jemand erleben muss, was mir passiert ist“, sagte Darstellerin Senada Alimanovic.

© dpa / Jörg Carstensen
Paul Rudd (l) und Emile Hirsch spielen in „Prince Avalanche“ zwei Straßenarbeiter.

Lässig und lakonisch ist dagegen die US-Komödie „Prince Avalanche“ von David Gordon Green. Paul Rudd („Our Idiot Brother“) und Emile Hirsch („Into the wild“) spielen in der Independent-Produktion zwei Straßenarbeiter, die ganz unterschiedlich mit der Einsamkeit in den texanischen Wäldern umgehen.

Großes Kino ganz außer Konkurrenz sollte es am Mittwochabend mit der Weltpremiere von Bille Augusts Bestseller-Verfilmung Nachtzug nach Lissabon geben – Starpower mit Jeremy Irons und Martina Gedeck auf dem roten Teppich garantiert.

Zwei Highlights hat sich Berlinale-Direktor Dieter Kosslick für den Schluss aufgehoben: Als letzter Wettbewerbsfilm startet am Freitag die französische Komödie „Elle sen va“ („On my Way“) von Emmanuelle Bercot (Frankreich). Darin setzt sich Filmdiva Catherine Deneuve ins Auto, um Zigaretten zu holen – ein kleines Roadmovie beginnt. Echtes Spektakel verspricht außerdem der 3D-Animationsfilm „The Croods“ über eine Steinzeitfamilie – erwartet wird unter anderem Hollywoodstar Nicolas Cage, der dem Steinzeit-Papa seine Stimme leiht.

Quelle: dpa/keko
Google-Anzeigen
Kommentar schreiben
Name
Überschrift
Ihr Kommentar