Filmfestival Venedig 2013Dakota Fanning und heiße Kurven im Netz

Die Tops und Flops des ersten Wochenendes
Es ist Dakota Fanning, auf die sich die Augen der Fashionistas richten. Nach Emma Watson ist die 19-Jährige die nächste Jungschauspielerin, die vom Mädchen zu einer zarten Dame heranwächst. Während des Filmfestivals in Venedig ließ sich Fanning zum Fototermin ihres Streifens „Night Moves“ in einer blassgelben Lederkreation aus dem Hause Alexander McQueen heranschippern. Den absoluten Wow-Moment allerdings lieferte die Aktrice später auf dem roten Teppich, als sie in einer tief ausgeschnittenen Robe aus der Haute-Couture-Kollektion von Elie Saab zur Filmvorführung schwebte. Ziemlich gewagt, doch das unschuldige Strahlen lächelt jede Verruchtheit weg.

Verführerisch zeigten sich einige Schauspielerinnen auch im Lingerie-Look. Mal in Hommage an Gaultiers Kegel-BH (Sarah Gadon), mal in schwarzer Spitze (Sara Cavazza Facchini) führten sie vor, wie glamouraffin die Untendrunter-Garderobe in dieser Saison ist. Lässig, aber ziemlich cool: Im Jumpsuit setzte die schottische Schauspielerin Sophie Kennedy Clark auf dem Weg zur Vorführung von „Philomena“ den Cocktail- und Abendkleidern einen eleganten Kontrast entgegen. Nicht immer so gelungen dagegen verfingen sich so manche Filmfestival-Besucherinnen in Netzspielereien, andere gingen es allzu lässig an. Deswegen sprechen wir an dieser Stelle nicht von Judi Denchs Looks, sondern lieber von ihrer Schauspielkunst.

Umjubelte Judi Dench

© REUTERS
Es ist ihr Auftritt. Als Judi Dench das Podium betritt, gilt der Applaus ihr. Langer Beifall brandet auf, vom Drehbuchautor gibt es als Zeichen der Anerkennung ein Küsschen auf die Wange. Einige mutmaßen schon, dass dort die nächste Oscar-Preisträgerin steht - doch jetzt geht es erst einmal um das Filmfestival Venedig. Denn dort stellte die 78-jährige Britin am Wochenende das auf wahren Begebenheiten basierende Werk „Philomena“ vor. Sie spielt darin eine verzweifelte ältere Dame, die als junge Frau in Irland von Nonnen gezwungen wurde, ihren Sohn zu Adoption freizugeben und sich Jahrzehnte später auf die Suche nach ihm macht. Der Film von Regisseur Stephen Frears gilt zur Halbzeit des bislang starken Festival-Jahrgangs als einer der Publikumslieblinge.

Frears, der bereits mit „The Queen“ über die britische Monarchin weltweit Erfolge feierte, legt auch mit „Philomena“ erneut ein vielschichtiges Werk vor: Es ist zugleich Drama und Komödie, Kirchenkritik und Porträt einer einzelnen Frau. Die wird bei ihrer Suche, wie in der Realität, von einem Journalisten begleitet. Steve Coogan, ein in Großbritannien bekannter Komiker und Autor, verkörpert diesen Mann durch sein nuanciertes Spiel auf eindrucksvolle Weise. Vor allem aber bleibt Dench in Erinnerung, wie der Schmerz in ihren Augen abzulesen ist, wie ein leicht gekrümmter Rücken ihre Hilflosigkeit ausdrückt - sie aber trotz des Unrechts nie ihren Humor oder den Glauben an Gott verliert.

„Es ist eine schreckliche Geschichte, die erzählt werden musste“, erklärte Dench auf der Pressekonferenz. Sie habe die Frau, die sie im Film darstellt, mehrfach getroffen und versucht, „sie in ihrer ganzen Persönlichkeit zu begreifen“. Coogan, der auch am Drehbuch mitschrieb, ergänzte: „Auch wenn es die Kirche als Institution kritisiert, ist es nicht als Attacke auf den Glauben von Menschen zu verstehen.“

Der US-Amerikaner Peter Landesman nahm sich für „Parkland“ ebenfalls einen historischen Stoff vor: Er fokussiert auf das Attentat auf Präsident John F. Kennedy, das vor ziemlich genau 50 Jahren die Menschen erschütterte. Wirklich Neues kann Landesman den bekannten Fakten zwar nicht hinzufügen. Der Reiz liegt vielmehr darin, dass der Regisseur mit Stars wie Zac Efron, Billy Bob Thornton und Paul Giamatti ein Kaleidoskop der Geschehnisse entwirft. Da sind die Ärzte des Krankenhauses, in dem JFK starb. Der Bruder des Attentäters Lee Harvey Oswald. Und der Mann, der das Attentat zufällig filmte.

Kontroversen und ein Rücktritt beim Filmfest Venedig

Die Tops und Flops des Eröffnungstags
Deutlich umstrittener waren in der ersten Festival-Halbzeit zwei sehr unterschiedliche Filme: James Franco, bislang vor allem als Schauspieler bekannt, legte mit „Child of God“ erneut eine Regiearbeit vor - und irritierte die Zuschauer. Immerhin entwickelt sich seine Hauptfigur, ein gesellschaftlicher Außenseiter, zu einem Serienmörder, der Frauenleichen missbraucht.

Auch das Animationswerk „The Wind Rises“ des Japaners Hayao Miyazaki löste beim Publikum Diskussionen aus, handelt es doch von dem Erfinder eines Kriegsflugzeugs. Oscar-Preisträger Miyazaki zeigt ihn jedoch nicht unkritisch als Held, sondern bettet die Geschichte eines Lebenstraums in den größeren Kontext ein. Armut, Depression und die drohende Gefahr eines Krieges sind stets präsent.

Vor allem aber feiert „The Wind Rises“ einmal mehr Miyazakis opulente Vision verspielter, detailfreudiger Bilder - und damit die visuelle Kraft des Kinos. Allerdings soll dies sein letzter Film sein. Miyazaki werde in Rente gehen, erklärte der Präsident der Ghibli-Studios am Sonntag in Venedig. Gründe nannte er nicht, Miyazaki selber war nicht anwesend. Möglicherweise liegt es auch schlichtweg am Alter: Der Regisseur ist 72 Jahre alt.

Quelle: dpa/keko
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