TaschenEin Phänomen

Das Zauberwort? Qualität! Marc Jacobs etwa lässt jede Tasche wie ein Couture-Kleid arbeiten. Als er für Louis Vuitton die erste Prêt-à-porter-Kollektion zeigte, war eine einzige Tasche zu sehen, diese Saison schickte er 46 über den Laufsteg! Die Mode – nur eine hübsche Beigabe? „Taschen machen ein Outfit glaubwürdig“, findet Jacobs. Eine Aussage, die besonders seinen Chef, LVMH-Präsident Bernard Arnault freut. Denn Accessoires lassen die Kassen klingeln.

Warum Frida Giannini, einst verantwortlich für die Leatherware bei Gucci, nach Tom Ford zur Head-Designerin avancierte? Ganz einfach. Sie hatte in dieser Zeit spektakuläre 86 Prozent des Gesamtumsatzes mit Accessoires erzielt.

Bei Chloé gab Phoebe Philo, Nachfolgerin Stella McCartneys, 2002 mit der „Silverado“ ein vielversprechendes Debüt. Und traf genau den vom Boho-Chic inspirierten Geist der Zeit. Sienna Miller und Kate Moss waren denn auch die Ersten, die 2005 Philos „Paddington“-Tasche als Must-have entdeckten. Coolness zum Bond-Street-Preis. Die It-Bag-Jagd, befeuert vom Starrummel, der allen Kundinnen ein wenig Hollywood-oder Notting-Hill-Glitter versprach, war auf ihrem Höhepunkt.

Ein Phänomen, das die führenden Damen des internationalen Modejournalismus, Anna Wintour und Carine Roitfeld, gerade zu konterkarieren suchen. Roitfeld schreckte die Branche vor einigen Monaten mit dem provokanten Geständnis „Taschen, Taschen, Taschen, ich hasse Taschen“ auf – und lockte sie gleichzeitig aus der Reserve. Nie sah man ein größeres und qualitativ besseres Angebot als in dieser Saison.

Die Botschaft der Laufstege ist klar: knappe Outfits, große Taschen! Endlich wurde der Stoßseufzer aller Frauen, der 1984 bei Hermès zur Entwicklung der „Birkin Bag“ geführt hatte, überall gehört: mehr Platz! Schließlich bewahrt eine Frau ja nicht nur Kreditkarte und Lippenstift darin auf, sondern ihr ganzes Leben. Natürlich gibt es viele Kultstücke bereits in XS- – bis XL-Formaten, aber die XXL-Variante ist schon jetzt die Siegerin der neuen Saison.

Die Tasche als mobiles Zuhause. Soft und federleicht. Außen lässig, verbirgt sie ein penibel geordnetes Innenleben. Mehr Sein als Schein. Natürlich nicht, ohne auf Glamour zu verzichten.