Italienischer StilSechs Regeln

Text: Julia Werner

Italien ist ein wunderschönes Land. Aber es hat einen fiesen Nachteil: Kaum ist man dort angekommen, fühlt man sich schlecht angezogen. Schon am Flughafen weiß man: Alle anderen sehen besser aus als ich!

Die Männer tragen im Sommer ein blaues Jackett zu hellen Hosen und Wildleder-Mokassins und sehen dabei aus wie ein junger Agnelli, auch wenn sie gerade auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz in der Schadensbegrenzungsabteilung eines Versicherungsunternehmens sind.

Die Italienerinnen sind noch schlimmer. Sie hinterlassen auch bei 30 Grad im Schatten mit ihren Stilettos und ihrer niemals schmerzverzerrten Anmut kleine Löcher im Asphalt. Alles, was sie anhaben, sieht teuer und nobel aus, ungefähr so, als hätte Miuccia Prada ihre Kaschmirjacken selbst gestrickt. Und die nonchalante Kombination ihrer Accessoires und ihres Schmucks wirkt so perfekt wie in einer Armani-Anzeige.

Beim verzweifelten Versuch, sich der eleganten Umgebung anzupassen, liefern Ausländerinnen die skurrilsten Szenen: Mit panischem Gesichtsausdruck tragen sie bündelweise Geld in einen Mailänder Laden mit golden geschwungenem Logo und kommen mit einem neuen Top oder Kleid wieder heraus.

Im Winter wird der Unterschied besonders krass: Italiener flanieren in Anoraks mit Fellkragen so elegant wie im Pelzmantel des letzten Zaren von Russland. Wenn Nichtitaliener das zu imitieren versuchen, ähnelt es irrwitzigen Eskimo-Demos in grauen Fußgängerzonen. Nicht verzagen. Es gibt einen sicheren Weg aus der stilistischen Bedeutungslosigkeit. Nur darf man dabei keinen der folgenden Punkte überspringen. Sonst droht Eskimo-Gefahr.