Karl LagerfeldDie zehn Gebote

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Erstes Gebot

Du sollst zu deinen Schwächen stehen

Es gibt Dinge, für die man ein Händchen hat (Chanel-Taschen entwerfen, Frauen fotografieren, Cha-Cha-Cha tanzen). Und es gibt Dinge, für die man, nun ja, weniger talentiert ist. Auto fahren zum Beispiel. Das hat Karl längst aufgegeben, weil ihn Motorengeräusche schläfrig machen. „Ich habe deshalb zwei Unfälle gehabt und beide nur durch ein Wunder überlebt“, gesteht er – und lässt sich seitdem fahren.

Zweites Gebot

Du sollst nichts aufs Alter geben

„Jung sein ist doch keine Qualität“, zischt Herr Lagerfeld. Dass er sich selbst eine Zeitlang fünf Jahre jünger gemacht hat, liegt bestimmt daran, dass ihm so etwas einfach egal ist und er einfach vergessen hat, wie alt er wirklich ist. 66 übrigens.

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Drittes Gebot

Du sollst nicht alles zu ernst nehmen

Sich über Dinge aufregen bringt nichts und verursacht Falten. Karl Lagerfeld hat „dank wunderbarer Cremes“ eine glatte Haut. Er strahlt aber auch deshalb, weil er nicht alles so wichtig nimmt: „Die Gleichgültigkeit ist wie Efeu an mir hoch gewachsen.“

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Viertes Gebot

Du sollst aufräumen

Er hat eine Zugehfrau, die seine fünf Schreibtische (an jedem schreibt er Briefe in einer anderen Sprache) poliert. Währenddessen mistet Karl Lagerfeld sein eigenes Leben aus: „Das Leben ist anders, die Umstände sind anders, die Leute sind anders. Ich habe mich auch solcher Freunde entledigt, die meinen
neuen Rhythmus nicht mithielten.“

Fünftes Gebot

Du sollst nicht auf den Preis achten

Die gute Nachricht ist: „Man kann Stil kaufen.“ Die schlechte lautet: „Man muss Stil haben, um ihn sich kaufen zu können.“ Ob man in einem Hennes-Chiffonhauch besser aussieht als in einem Chanel-Traum, liegt an etwas ganz anderem: „Es hängt alles vom Stil ab. Wenn man billig ist, hilft sowieso nichts.“

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Sechstes Gebot

Du sollst nicht zurückblicken

Besonders Frauen neigen dazu, mit den Vokabeln „hätte“, „könnte“, „würde“ um sich zu werfen. Falsch. Karl Lagerfeld rät, nicht in die Vergangenheit zu blicken: „Ich kann gar nichts bereuen, weil ich mich niemals daran erinnere, was ich mir einmal gewünscht habe. Ich bin wie eine Schultafel – alles, was nicht passt, wird ausgewischt.“

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Siebtes Gebot

Du sollst eine Sonnenbrille tragen (Ja, auch bei Regen)

Gottchen, wie albern. Wirklich? Wer sich noch immer darüber amüsiert, dass KL auch an einem regnerischen Aprilabend mit Sonnenbrille durch Paris wandelt, sollte jetzt ins Zweifeln kommen: „Die Brille ist mein mobiler Lidschatten. Durch sie sieht alles jünger und schöner aus. Die Welt sollte also ein großes Interesse haben, dass ich die Brille niemals abnehme.“

Achtes Gebot

Du sollst asymmetrischen Sport meiden

„Mein Arzt hat mir geraten, keine asymmetrischen Sportarten zu betreiben.“ Zum Beispiel: Tennis, Polo, Golf. „Das ist nichts für Menschen, die zeichnen.“ Tanzen schon. Im Cha-Cha-Cha ist Lagerfeld ein Ass. Und Bolero kann er auch ganz gut.

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Neuntes Gebot

Du sollst streng mit dir selbst sein

Mit Weicheiern hat er es nicht so. „Ich habe einen faschistoiden Umgang mit mir selbst. Da gibt es keine Diskussion“, gibt er zu. „Es gibt eine Order. Der wird gefolgt.“ Als ihm sein Diätarzt verboten hat, Schokolade zu essen, lutschte Karl nur die Pralinés und spuckte sie dann wieder aus. Heute ist er clean.

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Zehntes Gebot

Du sollst deine Meinung ändern

„Ich mag keine dünnen Menschen! Ich denke, das ist sehr démodé!“ Und: „Muskeln sind out. Knochen sind in.“ Zwischen diesen beiden Sätzen liegt ein Gewichtsverlust von über 40 Kilo. Denn gesagt hat sie derselbe. Man kann also durchaus seine Meinung korrigieren, ohne unglaubwürdig zu wirken. „Was ich sage, ist nur gültig, wenn ich es gerade sage.“