MännermodeWie modisch darf Mann sein?

Text: Julia Werner
© Reuters

Schon lange hatte meine Freundin von diesem einen Kleid geträumt: Es war orange, kunstvoll durchlöchert und mit Steinen besetzt. Es war von Chloé. Dann endlich der Anruf aus dem Laden: Das Kleid ist da!

Mit zitternder Hand zog sie ihren Mann in das Geschäft. Leichtfüßig wie eine Fee betrat sie die Umkleidekabine, streifte den glamourösen Fummel über, strahlend und ihrer Sache sicher trat sie vor den Vorhang: „Und, wie findest du es?“

„Du siehst aus wie ein Harlekin“, stellte er fest. Meine Freundin kaufte das Kleid nicht. Obwohl sie ihren Mann insgeheim als modischen Ignoranten abstempelte. Aber als Harlekin wollte sie nun wirklich nicht durch ihr weiteres Leben laufen.

Was lehrt uns diese Episode aus dem Leben einer stilbewussten Frau? Dass es in Wahrheit gar nicht so schlecht ist, einen Mann an seiner Seite zu haben, der von Mode keine Ahnung hat. Denn er sieht die Dinge, wie sie sind:

– Dass Frauen mit abgerundeten Plateauschuhen zu Pferden mutieren (inklusive optischem und akustischem Huf-Effekt – klop, klop, klop).

– Dass ballonartige Pullover selbst Personen mit Gazellenfigur zu Kugelfischen machen und

– dass Karottenjeans den Eindruck erwecken, als hätte man die deutsche Wiedervereinigung im Koma verschlafen und käme mit Spreewaldgurken-Spirit geradewegs aus der DDR.

Kurz gesagt: Der modische Ignorant bewahrt seine Frau vor einem Leben als Hofnarr der Society. Leichter wird der Tanz auf dem gesellschaftlichen Parkett dadurch aber nicht.

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