Knitterwochen Irrtum des Sommers
Warum greifen bei Hitze viele zu Leinen? Wäis Kiani über den größten Irrtum des Sommers.
Text: Wäis Kiani
© Reuters
Mel nahm sich ein Erdbeertörtchen und meinte unsicher: „Was soll man denn an so heißen Tagen sonst anziehen?“ Noch nie hat jemand gleichzeitig so ungebügelt und unglücklich ausgesehen. Aber selbst schuld. In den Achtzigern, als selbst ich noch an Leinen glaubte, hatte sich eine deutsche Modefirma sicherheitshalber einen klugen Werbespruch ausgedacht: Leinen knittert. Aber Leinen knittert edel. Ganz schön schlau. Sobald jemand jammerte: „Knittert!“, kam retour: „Aber e-d-e-l!“
So machte es uns nichts aus, in den beigen Hosenanzügen auszusehen, als hätte sich ein feuchter Elefant auf uns ausgeruht. Mit der Zeit wurden selbst bei den teuersten Modellen die Hosen dank sich stark dehnender Nähte immer weiter und gemütlicher, alles verbeulte in alle Richtungen und von hinten erweckte man den Eindruck, als hätte man seit Tagen in seinen Kleidern übernachtet.
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