Stilkritik Grammys 2013So schummelten sich Katy Perry & Co. ums Nacktverbot

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Die Tops und Flops
Grammy Awards, Grammys, Grammy Verleihung

Mit knappen und immer noch knapperen Outfits hat Rihanna in den letzten Monaten gerne von sich reden gemacht. Mal abgesehen von ihrem Liebes-Comeback mit Chris Brown. Regelmäßig twitterte die Sängerin Bikini- oder Halbnackt-Fotos. Eine heiße Kandidatin also dafür ins Visier der CBS-Stilwächter zu geraten. Der Fernsehsender hatte nämlich vor der 55. Grammy-Verleihung eine E-Mail mit Dresscodes verschickt. Allzu freizügige Kleider waren unerwünscht. Im Klartext: Outfits, die Brüste, Hintern oder Genitalien mit Gucklöchern, Schlitzen oder Transparenz offenlegten. Das berichtete im Vorfeld das Online-Portal „Deadline.com“. „Obszöne Kleidung ist inakzeptabel für eine Übertragung“, war darin zu lesen. Der Fokus sollte wieder mehr auf die musikalische Veranstaltung gelegt werden, statt auf die Busen-Blitzer und Po-Posen am roten Teppich reduziert zu werden. Das Ergebnis auf dem roten Teppich: ein Teilerfolg.

Rihanna jedenfalls respektierte den Wunsch des Senders und kam in einer atemberaubenden, bodenlangen Robe von Azzedine Alaia. Raffiniert gekreuzte Abnäher betonten ihre Silhouette und sie beschränkte sich auf wenige halbtransparente Details. Eleganz auf ganzer Linie! Harte Konkurrenz um den Look des Abends machte ihr Beyoncé, die im Jumpsuit von Osman Sexiness auf ganzer geometrischer Linie präsentierte. Weniger züchtig gab sich Katy Perry, die vorführte, wie ihre üppige Oberweite die elegante Gucci-Robe in einen sexy Hingucker verwandelte. Oder Kelly Rowland, die ihre Kurven in Georges Chakra und ohne BH in Szene setzte. Model Chrissy Teigen hatte vorher getwittert: „Ich trage Joy Cioci heute Abend! Habe versucht alle Regeln zu Genitalien, seitlichen Brüsten und prallen Körperteilen zu umgehen.“ Ihre Wahl: eine Bauchfrei-Kreation mit langem Beinschlitz. Was CBS wohl dazu sagte?

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Grammys feiern junge und alternative Musik

Große Bühne für die Newcomer: Die Stars der diesjährigen Grammy-Verleihung waren nicht wie in den vergangenen Jahren bekannte Pop-Diven oder millionenschwere Rapper, sondern vor allem alternativ, frisch im Geschäft und keine 30 Jahre alt. Vier Preise gingen an die US-Rockband The Black Keys und ihren Frontmann Dan Auerbach und drei an den Sänger Gotye. Die britische Band Mumford & Sons bekam das begehrte Grammophon für das beste Album („Babel“) und die Rocker der Indie-Band Fun. sowie der kalifornische R&B-Musiker Frank Ocean räumten jeweils zwei Trophäen ab. Die glamouröse Grammy-Gala am Sonntagabend (Ortszeit) in Los Angeles war diesmal keine Nacht der großen Namen, sondern feierte vor allem junge und alternative Musik.

Die alteingesessenen Altstars, von denen viele leer ausgingen, nahmen es gelassen – und verteilten sogar begeistert Komplimente. „Die beste Grammy-Gala aller Zeiten“ sei es gewesen, jubelte Popstar Justin Timberlake. Und Sänger Prince outete sich als Fan des belgisch-australischen Sängers Gotye und dessen Ohrwurm-Hit „Somebody That I Used To Know“: „Ich liebe diesen Song!“. Dass so viele junge Künstler gerade in den wichtigsten Kategorien gewonnen hätten, sei ungewöhnlich, sagte Bill Freimuth, stellvertretender Chef der veranstaltenden Recording Academy, der „New York Times“. „Es scheint mir ein Übergangsjahr zu sein, eines, wo der Staffelstab übergeben wird.“

Die US-Medien zeigten sich dagegen gespalten angesichts der Entscheidungen von Vertretern der Plattenindustrie und Musikern. Der Grammy-Abend habe „alte Ideale“ gefeiert, urteilte die „New York Times“. „Es war keine Nacht des großen Abräumens.“ Der „Boston Globe“ befand, es sei „ein bisschen was für jeden“ dabei gewesen. „Die Grammy-Jury konnte sich dieses Jahr einfach nicht entscheiden“, schimpfte dagegen die „New York Daily News“. „Also haben sie es wie Betreuer in einem Sommercamp gemacht: Sie haben jedem einen Preis gegeben.“ Einige davon seien „zweifelhaft“.

Großer Gewinner – auch ohne Preis – war Justin Timberlake: Nach vier Jahren trat der Sänger erstmals wieder bei den Grammys auf und feierte ein umjubeltes Comeback. In schwarzem Anzug, mit Fliege und Haartolle sang der 32-Jährige zwei neue Songs und gestaltete seinen Auftritt ganz im Stil der 1920er Jahre. Eine ganz in Schwarz und Weiß gekleidete Beyoncé kündigte ihn an, bevor der Sänger ebenfalls ganz in Schwarz und Weiß gekleidet auf der Bühne erschien – und sogar das Bild der TV-Liveübertragung kurzzeitig schwarz-weiß wurde. Da riss es nicht nur Timberlakes Neu-Ehefrau Jessica Biel im Publikum vor Begeisterung vom Stuhl, sondern mit ihr auch gleich noch einen ganzen Saal voller Promis.

Der große Verlierer des Abends ließ sich dagegen gar nicht bei der Feier im Staples Center in Los Angeles blicken: Popstar Justin Bieber war trotz zahlreicher Chart-Erfolge und riesiger Fan-Gemeinde kein einziges Mal nominiert worden und aus Trotz zu Hause geblieben. Per Live-Video wollte er eine Gegenveranstaltung zu den Grammys starten, doch auch das klappte aufgrund technischer Probleme nicht wirklich. Und so blieb ihm an seinem schwarzen Abend nichts anderes übrig als zu schmollen und seine Fans darüber fast im Minutentakt online zu informieren. „Ich war noch nie so frustriert.“

Quelle: Keko/dpa
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