Nein, wie peinlichWas wir insgeheim lieben

Wir haben gesündigt. Trotz unseres unanfechtbar guten Geschmacks haben wir „Golden Girls“ geguckt. Bei der Rätselnacht auf Sat.1 mitgeraten (und beinahe angerufen). Und, Gott hilf uns, wenn auf MTV 50 Cents „Candy Shop“ läuft („I take you to the candy shop, I’ll let you lick the l-ollypop“), können wir nicht -wegschalten. Während wir öffentlich nur französische Autorenfilme und Bands aus schottischen Kleinstädten toll finden, liegen wir abends bei zugezogenen Gardinen auf dem Sofa und gucken Heimwerkersendungen mit Sonya Kraus. Und es geht uns hervorragend dabei.

Ab und zu brauchen wir eine ordentliche Dosis schlechten Geschmack. Amerikanisch nennt sich dieses Verlangen „guilty pleasure“ – peinliches Vergnügen. Guilty pleasures sind kitschig, absolut uncool, man würde sich nur unter Androhung chinesischer Tröpfchenfolter zu ihnen bekennen. Oder wenn man gerade darüber schreiben muss. Alkoholische Mixgetränke aus Dosen, Musik von den No Angels und erst recht von den Spice Girls, „Exclusiv Weekend“ und momentan besonders die Telenovela „Verliebt in Berlin“. Man weiß, dass es falsch ist, aber man liebt es trotzdem, ganz unironisch und vollen Herzens. Und jetzt entschuldigen Sie uns bitte. Im Radio läuft Sarah Connors „From Zero to Hero“. Da müssen wir mitsingen.

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Verliebt in Berlin
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Barry Manilow