Sonnenbrillen & LogosDunkles Geheimnis

Text: Wäis Kiani
© Reuters

Kennen Sie den Film „The Big Lebowski“? Die Szene, in der Jeff Bridges bei einem Gerangel die geliebte Ray-Ban in die Toilettenschüssel fällt und er sie mit der Hand herausfischt? Das bin genau ich. Ich bin sonnenbrillensüchtig.

Es ist eine der wenigen Abhängigkeiten, die ich mir in meinem Alter noch erlaube. Ich trage immer Sonnenbrille – im Winter, beim Autofahren und natürlich den ganzen Sommer über zu jeder Gelegenheit. Ohne Brille fühle ich mich arm, blind und nackt.

Vor ein paar Monaten habe ich mir eine Brille von Stella McCartney gekauft, um sie kurz darauf in einem New Yorker Taxi liegen zu lassen. Ich kaufte mir genau dasselbe Modell noch einmal und vergaß es prompt auf der Bahnfahrt von Zürich nach Mailand. Was ist mit mir los? Nicht genug Verantwortungsbewusstsein, um eine einzige Brille behalten zu können?

Eine Woche lag ich traurig zu Hause herum und dachte an all die anderen verlorenen Brillen. Zum Beispiel zwei identische Prada-Modelle im Sommer 2000 oder die schöne große Cutler and Gross im Winter 2001. Eine ältere aus meiner Sammlung zu tragen, würde mich noch mehr herunterziehen, also besuchte ich das bestsortierte Geschäft der Stadt. „Eine neue Sonnenbrille, bitte“, sagte ich zu der Verkäuferin. „Zum Sehen oder Stecken?“, war die merkwürdige Antwort. „Wohin stecken, bitte?“ „In die Haare.“ Als sei das aller Welt Grund, eine Brille zu besitzen.

Es scheint, als wäre bei den Designern im letzten Jahr etwas schiefgelaufen: Alle Brillen bestehen mehr aus Logo als aus Gestell und Gläsern. Wer möchte schon sein Gesicht als Werbefläche hergeben und dafür auch noch Geld zahlen? Ich gehe eiskalt zu H&M und wähle dort vier Brillen à 5 Euro aus. Seitdem fühle ich mich wunderbar befreit. Ich zucke nicht alle 20 Minuten zusammen und schreie: Wo ist meine Brille? Ich brauche kein Etui mehr. Und wenn eine weg sein sollte, habe ich ja noch drei andere, hähä.

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