Charlize TheronSchulaufführung

Text: Claudia Casagrande
© Reuters

Den Schritt vom Model zur Schauspielerin hat Charlize Theron geschafft. Seit ihrer Rolle in „Im Auftrag des Teufels“ ist sie als Schönheit ohne Tadel immer wieder auf den roten Teppich zurückgekehrt. Kostbar, aufrecht und nie lächerlich. Umso tiefer der Schlag in unser Zentrum des guten Geschmacks, als wir sie in Beverly Hills in diesem froschgrünen Aufzug entdeckten. Wahrscheinlich zog sie dieses „Kleid“ aus einem Haufen Bühnenfundus und dachte sich: „Awesome – passt zu meinen grünen Augen“. Aber auf die achtet bei diesem Outfit kein Mensch mehr.Sobald sie die Bühne mit dem güldenen Vorhang betritt, wartet die eine Hälfte der Zuschauer auf den Moment, in dem sich die feine, schwarze Gummizug-Verbindung zwischen Vorder- und Hinterteil des Kleides löst. Die andere sieht sich als Zeuge eines Emanzenprogramms namens „Die Froschkönigin“.

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Billig brennt gut. So wie das Kratzen von Fingernägeln auf einer Tafel bei mir Gänsehaut auf dem Kopf und Schmerzen in den inneren Organen verursacht, so verhält es sich beim Anfassen von billigem Stoff mit meinen Ohren. Sobald meine Hände lackglatten, schlüpfrigen Plastikstoff berühren, stellen sich mir die Haare an den Ohren auf, ich bekomme Gänsehaut im Nacken, die sich langsam auf den ganzen Körper ausbreitet und ein unwohliges kurzes Schaudern erfasst mich. Und genau so stelle ich mir meine Begegnung mit Charlize im Froschdress vor.

Ich weiß nicht, wie teuer das Outfit war. Aber ich weiß, dass Charlize auf jeden Fall zu viel dafür bezahlt hat. Die Natur hat Mrs Theron gesegnet und grazil wie eine Gazelle steht sie auf der Bühne. Leider ist ihr Verhalten dem eines Huftiers ähnlich: Geblendet verharrt sie im Scheinwerferlicht, anstatt in diesem grausamen Fummel die Flucht vorm Blitzlicht anzutreten.