Grace JonesBondgirl beim Maskenball

Text: Markus Weiß

Nein, Grace Jones ist nicht auf der Jahreshauptversammlung des Zorro-Fanclubs. Das Bondgirl befindet sich auf dem Weg zu einer Preisverleihung im noblen Londoner Grosvenor House. Dort erhielt die 60-Jährige eine Auszeichnung für ihr Lebenswerk – verständlicherweise nicht für ihr Stilgefühl.

In ihrem „Retterin der Nacht“-Outfit bildet sie mit schwarzer Samthose, simplem Top und extravaganten Flechtschuhwerk zwar einen schönen Kontrast zum roten Teppich, aber mit Augenmaske und Pailettenhörnern sieht die May Day aus dem Bondstreifen „Im Angesicht des Todes“ wie der Billig-Bösewicht in einem Superhelden-Film aus.

Dabei hat sie so hart an ihrer Tarnung gearbeitet. Ende des Monats bringt die gebürtige Jamaikanerin mit „Hurricane“ ein neues Studioalbum heraus. Vermutlich gefiel ihr die Vorstellung nicht, weitere zwanzig Jahre mit dem Hit „Slave to the Rhythm“ durch die Dorfdiskotheken zu tingeln und die Landjugend zu unterhalten.

Vor ihrem nächsten Auftritt sollte die singende Superheldin allerdings vielleicht an einer Telefonzelle vorbei fliegen und das Kostüm ausziehen, denn die Stil-Polizei sieht alles. Da hilft es auch nicht, wenn man das Cape über den Kopf wirft, vorne zusammen bindet und als Schal ausgibt. Diese Accessoires gehören vielleicht ins Bat-Mobil, aber nicht auf einen Gala-Abend – eine klare Doppelnull in der B-Note.