Juliette Binoche Abba an Weihnachten

29.10.2007

 

Bei diesem Bild entschlüpft eigentlich jedem ein: „Huch, jetzt bin ich aber enttäuscht von Juliette Binoche“. Dabei taucht sie immer mal wieder in gewagten bis geschmacklosen Outfits auf.
Text: Claudia Casagrande
Nur in ihren Filmrollen ist sie immer so reizend gekleidet (na ja, als Obdachlose in „Die Liebenden von Pont Neuf“ natürlich nicht). Bevor ich jetzt also über Binoches Lagen-Look bei der Premierenfeier von „Dan in Real Life“ berichte – zwei rückblickende Eindrücke zu Juliettes gewagter Garderobe:
Pannesamt war zwar mal modern – aber immer in Maßen. So auch 1997, als Binoche den Oscar als beste Nebendarstellerin erhielt. Sobald Pannesamt als Kleid endet und sich ein hoher Kragen dazu gesellt, tauchen Fragen auf wie: „Wo ist die Kristallkugel?“ „Warum hat die Frau keine Henna gefärbten Haare“ und „Wo hatte ich doch gleich mein Traumtagebuch hingelegt?“.

Auch daneben, ebenfalls bei der Oscar-Verleihung – aber vier Jahre später: der Charleston-Auftritt der eigentlich attraktiven Französin. Nicht nur, dass die Korsage und der Rock aus unterschiedlichen Stoffen bestehen – viel schlimmer, auch aus unterschiedlichem Schwarz. Und dann diese Strümpfe. Wenn Charleston-Look, dann in Maßen.

Das große Missverständnis, unter dem Frau Binoche zu leiden scheint, ist wohl dieses: Ein Auftritt auf dem roten Teppich ist kein Kostümfest. Festlich kleiden ja, aber nicht verkleiden. Mit der Mode ist es wie mit der Architektur – es geht um Weiterentwicklung und nicht darum, alte Dinge genau so, wie sie waren, abzubilden. Gegen eine Hommage an die Vergangenheit ist nichts einzuwenden, wohl aber gegen gedankenlosen Mix.
So auch hier zu sehen. Bei diesem Outfit treffen ja die flotten 30er, Abba, Weihnachten und die französische Flagge aufeinander. Ich persönlich könnte mit dieser komischen Schalkragen-Applikation leben, wenn sich unten eine schwarze, enge Slim-Fit-Hose befände.

Den goldenen Stern aber, aus dem die apricotfarbenen und weißen Streifen ausbrechen, verkrafte ich nicht. Das läuft unter: „Kinder basteln für Weihnachten“ und gehört ans Fenster. Die güldenen Bauchtanzfransen am Rocksaum leiten über zu unpassenden Schuhen. Der Verschluss der Sandaletten ist vorne und sieht aus wie verrutscht und statt zwei Riemchen hätte es eines auch getan. Ich bin nur froh, dass sie uns jetzt nicht noch knallrote Zehennägel entgegenstreckt.
Kurz und gut – leider wieder einmal ein schlimmer Ausrutscher der zauberhaften Juliette Binoche, die uns in „Chocolat“ und auch „Jet lag“ auf der Leinwand durch ihren Stil beeindruckte. Dennoch bleibt ihr Anblick ein Genuss, weil ihr eine beneidenswerte Ausstrahlung und natürliche Schönheit zu eigen ist.
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