Stil-KlauGrün vor Neid

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Missgunst ist eine teuflische Sache. Wer sie sich eingesteht, gibt gleichzeitig die eigene Unsicherheit zu, das Unbefriedigtsein mit dem, was man hat, und dem, was man kann. Neid kann einen wenigstens noch dazu motivieren, sich zu verändern, nach dem zu streben, was man neidet. Missgunst bringt einem überhaupt gar nichts, außer verschwendete Energie und ein mieses Selbstwertgefühl. Und wie unsouverän ist es bitte, jemandem etwas nicht zu gönnen, nur weil man es selbst nicht hat? Oder gerade weil man es selbst hat? Ich hatte die perfekten, metallgrünen Stilettos gefunden. Als meine Kollegenfreundin sie eine Woche später entdeckte, war ihre Größe dummerweise schon ausverkauft – hähähä. Noch schlimmer, als sich mit seinen Kollegen zu verstehen, ist, mit ihnen befreundet zu sein. Dann fühlt man sich wegen solcher Gedanken nämlich doppelt schlecht. (Schatz, du bist mir doch nicht böse. Oder? Oder??)

Es geht nicht nur um die Garderobe, das wäre ja lächerlich. Wenn zum Beispiel Kollegin A mit Kollegin C eine Mittagspause verbringt, ohne vorher Kollegin B, mit der Kollegin A üblicherweise ihre Mittagspausen verbringt, davon in Kenntnis zu setzen, dann gilt das mitunter als Hochverrat. Macht die Chefin Kollegin X ein Kompliment für ihre Arbeit, Kollegin Z an diesem Tag aber nicht auch ein ähnlich großes Kompliment, ist die Chefin undankbar und Kollegin X eine Schleimerin. Auch schön: beleidigt sein, weil die Tischnachbarin den gleichen SMS-Benachrichtigungston hat wie man selbst. Manchmal kommt man sich dabei vor wie eine Möwe aus „Findet Nemo“, die sich kreischend auf alles stürzt, was ihre kleinen harten Augen entdecken, Hauptsache, sie hat es ganz für sich allein. Meins, meins, meins! Keine besonders schöne Vorstellung.