Stil-KlauKopie und Original

© Creatas

Wenn man in einem Büro arbeitet, das zu 90 Prozent mit Frauen besetzt ist, teilt man früher oder später alles. Liebeskummer, Kekse, die Gala und irgendwann auch den Klamottengeschmack. Dieses Rumgeglucke kann sehr schön sein, zum Beispiel, wenn man gerade Liebeskummer hat. Wenn es um Klamotten geht, nervt es allerdings brutal. Da fällt mir doch spontan der letzte Mittwoch ein, als Kollegin A und ich unser bezauberndes Bauernblüschen trugen. Wir standen an der Kaffeemaschine und versuchten vergeblich zu lächeln, als der Chef kommentierte: „Ihr habt ja das Gleiche an. Niedlich.“ Das nimmt einem den Erstentdeckerstolz, das schöne Gefühl, etwas nur für sich zu haben. Plötzlich ist man nur noch ein Bauernblüschen unter vielen.

Sicher kann man nicht erwarten, die Einzige zu sein, wenn alle anderen auch bei H&M und Zara einkaufen. Trotzdem meint man, Exklusivrechte an jedem 4,99-T-Shirt vom Grabbeltisch zu haben. Kleidung ist die billigste Art, seine Individualität nach außen zu präsentieren. Man will nicht aussehen wie alle anderen, man will für seinen ausgesuchten Stil bewundert werden. Modedarling Kate Moss trug als Erste das, was später Boho-Chic getauft wurde: Pelzjacken zu Röhrenjeans, Römersandalen zu Winzminis, unfrisierte Haare. Dann kam Sienna Miller, zog ungefähr das Gleiche an und wurde dafür als neue Stilgöttin gefeiert. Frau Moss war not amused. Und als es die Miller, diese Anfängerin, dann auch noch zusammen mit ihr auf die „Best Dressed List“ in der Vanity Fair schaffte, giftete sie, dass der Trend zum Cowboystiefel einfach gar nicht gehe. Zufällig genau der Trend, den die Miller ganz ohne Moss’ Hilfe groß gemacht hat.

Wenn man’s genau nimmt, haben weder Moss noch Miller Erstanspruchsrechte auf ihren Look. Halb Notting Hill, Londons Trendmekka und Wohnort der beiden, kleidet sich seit Jahren nach dem Vorbild von Julie Christie aus den 70ern. Aber halb Notting Hill stiehlt der Moss ja auch nicht die Aufmerksamkeit der Modepresse, schöpft ihr das Besondere ab.

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Kopie und Original