Stilkritik Cannes 2013Beinschlitze, Goldflügel und ein Stinkefinger

Die Goldene Palme in Cannes ging an „La vie d’Adèle“, die Auszeichnungen für Stil bekommen Nicole Kidman und Audrey Tautou. Doch warum trägt Laetitia Casta goldene Flügel? Unsere Tops und Flops.Geradezu paradox erscheint es bei den aktuellen Protesten gegen die Homo-Ehe in Frankreich, dass „La vie d’Adèle“ die Goldene Palme gewonnen hat. Ausgerechnet ein Film, in dem es um die Liebe zweier Frauen geht. Die beiden Hauptdarstellerinnen Lea Seydoux und Adele Exarchopoulos brachten in Weiß einen der Trends der 66. Filmfestspiele auf den roten Teppich: eleganten Minimalismus. Viele gerade und statueske Schnitte waren in Cannes zu sehen – wie beispielsweise an Nicole Kidman, Marion Cotillard und Doutzen Kroes. Die Schwarz-Weiß-Trägerinnen wie Zoe Saldana, Emma Watson oder Carey Mulligan gewannen ohnehin die Stil-Auszeichnungen an der Croisette für sich.

 

Aber Cannes wäre nicht Cannes, wenn Glamour- und Prinzessinnen-Auftritte fehlten. Dafür sorgten unter anderem Uma Thurman in Atelier Versace, das Jurymitglied Zhang Ziyi  - mal in Dior, mal Elie Saab – oder Eva Longoria in Zuhair Murad. Nicht zu übersehen bei der Parade Richtung der Filmvorführungen waren selbstverständlich transparente Kreationen, die freizügige Einblicke auf die Lingerie der Stars gaben. Nicht immer gelungen. Viel erfreulicher ist daher Trend Nummer drei: Jumpsuits auf dem roten Teppich. Die raffinierte Paarung aus Schlichtheit und Eleganz findet immer mehr prominente Fans. Kombiniert sogar mit der ebenfalls beliebten Umhangvariante der Schleppe hat ihn Model Isabeli Fontana. Ausgezeichnet!

 

Ausgezeichnete Filme

 

Mit teils sehr expliziten Sexszenen erzählt das Werk des Regisseurs Abdellatif Kechiche „La vie d´Adèle“ über die Liebe zweier Frauen vom Beginn und Ende einer lesbischen Beziehung. Während in Frankreich seit Wochen zahlreiche Menschen gegen die Homo-Ehe protestieren, entschied sich die Cannes-Jury um Präsident Steven Spielberg für einen Film mit einer Frauenliebe im Mittelpunkt. Das sehr stark gespielte „La vie d´Adèle“ (englischer Titel: „Blue is the Warmest Colour“) erzählt von Adèle, die sich in die etwas ältere Studentin Emma verliebt. Doch trotz seiner Geschichte ist der französische Film nicht nur ein Werk über eine lesbische Liebe. Kechiche beobachtet vielmehr die erste große Liebe an sich – und die damit einhergehenden, universellen Emotionen. Das dreistündige Werk überraschte aber auch mit seinen langen Sexszenen.

 

In diesem Jahr wurde die Goldene Palme erstmals in der Geschichte der Filmfestspiele nicht nur an den Regisseur, sondern auch an die Schauspieler vergeben. Die Hauptdarstellerinnen des Films, Adèle Exarchopoulos und Léa Seydoux, bekamen für ihre Leistung ebenfalls eine Auszeichnung überreicht. Für den 52 Jahre alten Regisseur Kechiche ist es der erste Preis in Cannes.

 

Die Jury zeichnete außerdem die Regie-Brüder Ethan und Joel Coen Brüder mit dem Großen Preis der Jury aus, dem zweitwichtigsten Preis des Festivals. Die US-Regisseure ließen sich mit ihrem melodramatischen „Inside Llewyn Davis“ durch die Folkmusik-Szene im New York der 60er Jahre treiben.

 

Auch die Preise für die besten Darsteller gingen in die USA und nach Frankreich: Als bester Schauspieler wurde der 76-jährige Bruce Dern für seine Leistung in dem Roadmovie „Nebraska“ des Oscar-Preisträgers Alexander Payne geehrt. Beste Schauspielerin wurde Bérénice Bejo aus dem Beziehungsdrama „The Past“ des Iraners Asghar Farhadi. Bejo war mit dem Stummfilm „The Artist“ bekannt geworden.

 

Zwei weitere Auszeichnungen gab es für sozialkritische Werke. Für das im Drogenbandenmilieu spielende Drama „Heli“ gewann der Mexikaner Amat Escalante den Preis für die beste Regie. Die Auszeichnung für das beste Drehbuch ging an Jia Zhangke für „A Touch Of Sin“, das von verzweifelten Menschen im heutigen China erzählt. 

Quelle: Mit Material von dpa