Stilkritik Cannes 2013Wenn Emma Watson mit ihrem Dekolleté kämpft

Die Tops und Flops
Cannes 2013, 66. Filmfestival in Cannes

Schwarz-Weiß, wohin das Auge blickte. Die Crew von „The Bling Ring“ führte auf dem roten Teppich der Filmfestspiele in Cannes den Farb-Trend, oder besser Nichtfarb-Trend, der Saison vor. Im Mittelpunkt aller Aufmerksamkeit: Emma Watson. Mit dem Film befreit sich die 23-Jährige einmal mehr von ihrem süßen „Harry Potter“-Image, tritt als sexy Anführerin einer Jugend-Gang auf. Dass sie auch sehr erwachsen sein kann, bewies sie bei der Filmpremiere und einer handgefertigten Kontrastrobe mit Glitzer-Bustier aus dem Hause Chanel auf. Sehr eindrucksvoll, wäre da nicht ein Red-Carpet-Fauxpas gewesen. Mit aufgerissenen Augen und verzerrtem Mund, zeigte sie den Fotografen eine „Hilfe, mein Kleid ist oben verrutscht“-Grimasse. Trotzdem gab’s weiter selbstbewusst Küsschen für die Kameras.

Sofia Coppola hielt sich da lieber im Hintergrund. Dabei hätte das glitzernde Louis-Vuitton-Kleid der Regisseurin mehr Bewunderung verdient gehabt. Mit ihrem Werk eröffnete Sofia Coppola am Donnerstag die renommierte Nebenreihe Un certain regard.

Der Film basiert auf wahren Begebenheiten und erzählt von Jugendlichen in Los Angeles, die in die Häuser von Stars wie Paris Hilton und Orlando Bloom einsteigen. Paris Hilton und Schauspielerin Kirsten Dunst haben in „The Bling Ring“ kleine Gastauftritte als sie selbst.

Paris Hilton habe sogar ihr eigenes Haus für Dreharbeiten geöffnet, wie Regisseurin Sofia Coppola erzählte. „Ihr Haus ist sehr exotisch, so etwas habe ich nie zuvor gesehen“, sagte die 41-jährige Coppola.

„The Bling Ring“ zeigt eine opulent eingerichtete Villa mit eigenem Nachtclub und mehreren Ankleidezimmern, die alle prall mit Kleidung, Schuhen, Schmuck und Sonnenbrillen gefüllt sind. Bei der ersten Vorführung in Cannes sorgten die vielen Bilder von Hilton selbst, die an den Wänden hingen und auf Kissen gedruckt waren, für Lacher. Das sei tatsächlich so gewesen, sagte Coppola.

Die Tops und Flops vom roten Teppich
Cannes 2012

Auch im Wettbewerb der Filmfestspiele standen am ersten Tag nach der Eröffnung Jugendliche im Mittelpunkt: In „Jeune & Jolie“ des Franzosen François Ozon etwa überraschte die Hauptdarstellerin Marine Vacth mit ihrer starken Darstellung einer 17-jährigen Prostituierten. Ozon („8 Frauen“, „Das Schmuckstück“) beobachtet die junge Isabelle aus gut-bürgerlichem Haus über ein Jahr, zeigt wie sie freiwillig Sex mit Männern in Hotelzimmern hat – und wie ihr Doppelleben schließlich auffliegt.

Deutlich düsterer kam die deutsche Ko-Produktion „Heli“ daher. Der Wettbewerbsbeitrag von Amat Escalante erzählt von dem mexikanischen Jungen Heli und dessen Familie, die ins Visier der Drogenmafia geraten. Der Freund der nur zwölfjährigen Schwester klaut Drogenpakete, die Heli findet und entsorgt. Es sind brutale Bilder, die Escalante im dann folgenden Martyrium der Familie zeigt. Die Drogenbande foltert und tötet, Gewalt scheint selbst für die jüngsten Mitglieder etwas Alltägliches zu sein.

Top und Flop
Actress Dawson arrives for the screening of the film This Must Be The Place at the 64th Cannes Film Festival

Angesichts dieser ernsten Themen im Wettbewerb schien es dann auch kaum verwunderlich, dass Coppolas Film in die Nebenreihe geschoben worden war. Immerhin fokussiert die 41-Jährige („Lost in Translation“) auf das eher unbeschwerte Leben der Räuberbande, die die Promivillen als Luxus-Shopping-Center sehen und sich Designer-Kleidung wie Trophäen nach Hause nehmen.

Coppola, die Tochter des fünffachen Oscargewinners Francis Ford („Der Pate“), zeigt Jugendliche, die Paris Hilton und Co. möglichst nah kommen und deren Lebensstil nachahmen möchten – unterlegt mit Partymusik und in teils intensiven Farben gefilmt wirkt „The Bling Ring“ daher wie ein grelles Abbild des heutigen Star-Wahns.




vs mit Material von dpa

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