KolumneKeine Klischees

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Meine Strategie habe ich bis heute beibehalten und möchte sie an dieser Stelle wärmstens empfehlen. Ich meine jetzt nicht die alte Geschichte: Wie kleide ich mich bei Bewerbungsgesprächen? Nein, es geht nicht um den Dresscode bei Jobs, sondern darum, sein Gegenüber grundsätzlich bei allen Gelegenheiten und für immer für sich zu gewinnen.

Ich hatte da beispielsweise ein paar wichtige Termine in letzter Zeit. Während ich mich dafür ankleidete, musste ich über mich selbst lachen. Bei einem Mittagessen mit einer stilstrengen Chefredakteurin trug ich ein Rena-Lange-Tweedkostüm. Das ist insofern doppelt lustig, weil sie, die jeden Monat über Kunst und Ästhetik entscheidet, in einer ziemlich coolen Armyjacke erschien und ich sonst nie Kostüme trage. Wir hatten Rollen getauscht, also beide dasselbe gedacht: dem Klischee nicht entsprechen und sich selbst etwas persiflieren.

Bei der Verabredung mit einem Mann mit viel Macht und wenig Zeit trug ich ein hochgeschlossenes Kleid, schwarz natürlich. Die sekundären Geschlechtsmerkmale waren mit Absicht verdeckt, damit klar war: Ich habe auch andere Talente. Und es war schlicht genug, um nicht als hysterische Modeziege rüberzukommen. Das Kleid aber machte trotzdem deutlich: Ich bin ein Girl. Mein Rena-Lange-Kostüm hätte für das Date natürlich auch gepasst, wäre von dem mächtigen Mann aber ganz anders interpretiert worden, nämlich: Die nimmt mich sehr wichtig. Genauso wäre das schwarze Kleid bei der Chefredakteurin kein Bruch gewesen, ihre Welt besteht aus Unmengen schwarzer Kleider.

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