Timing-TricksFrüh-Shoppen

Text: Wäis Kiani

Kleine Frage: Schon fertig mit der Sommergarderobe? Also ich theoretisch schon. Zumindest hängt genug buntes und weißes Zeug in meinem Schrank. Gut versteckt, damit es mich nicht deprimiert. Es hängt da nämlich schon seit … Dezember. Ich war auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken, reduzierten Pre-Sale-Kaschmirpullis in meiner Lieblingsboutique oder etwas anderem Hübschen.

Aber ich sah eine apricot-pinke Pencilskirt-Jerseytop-Kombination von Balenciaga und kaufte sie. Für mich. Nicht nur total unreduziert und unpassend, sondern mein Geschenkebudget gewaltig sprengend. Hinzu kommt meine Verachtung für die Farbe Apricot, sie gehört(e) irgendwie in Vorstadt-Parfümerien. Aber es hing da so frisch und so farbig an der Puppe und, ja, es überwältigte mich. Der apricot-pinke Traum wartet seitdem auf den Frühlingstag, an dem ich meine schwarzen Opakstrumpfhosen von mir werfe, mit nackten, zartgebräunten Beinen hineinsteige und endlich das spüren kann, worauf ich mich seit Weihnachten freue: die neue Kollektion!

„Alles schon im Sack“
Mittlerweile sind noch ein paar Kleider (bunt), ein Kostüm (weiß) und zwei paar Sandalen dazugekommen und haben sich zu einer netten kleinen Außenseitergruppe in meinem Schrank zusammengerottet. Ich weiß nicht, wann der Tag kommen wird. Wenn ich aus dem Fenster sehe, würde ich sagen: nie. Und wenn doch, was mache ich bloß, wenn bis dahin die Billigmodeketten die Menschheit mit einer Welle von Pink und Apricot überspült haben und ich mein Balenciaga-Zeug direkt zum Secondhand bringen kann?

Woher soll ich im Dezember wissen, was im Mai wirklich los sein wird? Doch hätte ich bis Mai gewartet, gäbe es nichts mehr. Die Ankunft des Mode-Sommers im Dezember, bevor der Winter überhaupt angefangen hat, ist mehr als gemein. Wie soll man sich noch an seinen Lackstiefeln und Kaschmirpullis ergötzen, wenn überall schon großblumige Petticoats hängen?

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