Die Kunst des Ankleidens Der feine Unterschied

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Schnell reingeschlüpft, eben mal was übergeworfen … Geht gar nicht, findet Wäis Kiani. Denn Kleidung kommt von Ankleiden. Und das ist eine schöne Kunst.
Text: Wäis Kiani
© colourbox.com
Neulich war ich zu einem Girls’ Dinner eingeladen. Ich hatte ein neues Kleid von French Connection im Palm-Springs-Alkoholikerin-Look an, dazu hohe, blaue Marc-Jacobs-Stiefel, nahm ein Glas Champagner und setzte mich artig an den hübsch gedeckten Tisch. Aber welche Enttäuschung, als ich die anderen Gästinnen sah. Drei trugen unauffällige Büro-Jeans und noch unauffälligere Pullover. Eine hatte sich in eine Art Wolldecke gewickelt. Und wofür sich die beiden anderen entschieden hatten, kann ich überhaupt nicht mehr sagen. Ich war froh, mich mit Frisur und Make-up zurückgehalten zu haben und langweilte mich auf der ästhetischen Ebene.

Hat es eine Gastgeberin, die sich Mühe mit einer Abendesseneinladung für sieben Freundinnen gibt, nicht verdient, dass man sich für sie ein wenig zurechtmacht? Außerdem sollte man um jede Gelegenheit froh sein, bei der man sich heutzutage noch richtig schön machen kann – mit feinem Kleid, sexy Strümpfen und unbequemen High Heels. Wie ist es nur zu dieser (Nach-)Lässigkeit gekommen? Früher trugen Männer Anzüge und Frauen Kleider mit Nylonstrümpfen und Pumps, wie es sich gehört. Jetzt kann man in vielen Fällen die Männer- und Frauengarderobe leicht verwechseln.

Als ich das einer Freundin erzählte, klagte sie mir ihr Leid: Sie war mit drei Männern zum Dinner verabredet. Alle drei wohlsituiert, hetero und erfolgreich im Mode-Business tätig. Sie trug ein schlichtes Schwarzes und lange Handschuhe. Die Männer waren in Casual-Uniform: Jeans, Hemd, Pullover, verbeultes Jackett. Sie fühlte sich dadurch so unsexy, dass sie ihre Handschuhe aus- und dafür eine Strickjacke überzog. Dabei hatte sie sich so auf ihren eleganten Auftritt mit drei richtigen Männern in einem guten Restaurant gefreut. Ich denke genau wie sie.
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Der feine Unterschied
Sanne  |  16.12.2008, 17:40
Selbsbewußtsein
Es geht nicht um das Alter oder den Beruf oder den Familienstand einer Frau bei der Entscheidung etwas aus sicg zu machen. Sondern um die Liebe zu sich selbst. Und dem Respekt ihren Mitmenschen gegenüber: biete ich mich in Jogginghosen an oder ist es mir der Andere wert, das ich mich ihm in Nylons und Midikleid präsentiere? Respekt bedeutet auch, die Grenzen nicht zu überschreiten: keine eindeutigen Angebote(zB Ausschnitt bis ultimo), kein "bin gerade erst aufgestanden"-Outfit Wieso kann man nicht auch als Mutter von 2 Kindern Stil haben und sich selbst(und andere!!!) wertschätzen und nicht6 unterbewußt den Vorwurf aufdrengen: die Gesellschaft lässt mich allein, ich KANN nicht anders. Es gibt genug, die uns das gegenteil beweisen.

Trish  |  13.07.2008, 23:10
Ohne Mut zur Indivudualität geht es nicht
Denn wer sich nur traut, anzuziehen, was ihr gefällt, wenn alle anderen sich ähnlich oder "passend" auftakeln, hat selbst schuld, wenn sie nie anziehen kann, womit sie sich mag und wohl fühlt. Was soll das, es von der Bekleidung oder dem Geschmack anderer abhängig zu machen, wie man sich anzieht? Oder gar wie man sich fühlt? Muss die "deutsche Mutti im 21 Jahrhundert" es tatsächlich von den Nachbarn abhängig machen, welchen Lippenstift sie trägt? Ich finde, sie und alle anderen Frauen in diesem Jahrhundert sollten sich genug Selbstbewusstsein erlauben, anzuziehen, was ihnen gefällt - seien es nun Jeans oder Designermode. Ein bisschen Toleranz darf aber auch dabei sein: Die selbe Freiheit, die sie sich nimmt, sich zu stylen, sollte sie anderen auch zugestehen, es bleiben zu lassen.

Rea  |  13.07.2008, 13:42
Was wirklich zähl
Zählt nicht eher, dass Leute sich wohl fühlen sollen? Und nicht dass sie unbedingt Marc Jacobs tragen müssen?
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