Upcycling-Mode für guten ZweckWie alte Klamotten ganze Schulen finanzieren

von Amici Fashion-Weeker
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© beliya
Annika Busse und Andrea Noelle
100.000 Tonnen - so viel alte Kleider und Textilien sollen deutsche Haushalte laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2010 weggeworfen haben. 100.000 Tonnen! Der Berliner Fernsehturm soll dagegen nur leichte 26.000 Tonnen wiegen. Muss denn so viel Abfall sein? Nein, sagen sich die zwei Hamburger Designerinnen Andrea Noelle und Annika Busse. Die beiden sind 35 Jahre alt, haben BWL studiert, eine Promotion erfolgreich abgeschlossen und vor gut zwei Jahren das Label „beliya“ gegründet.

„Beliya“ steht für Taschen unterschiedlicher Größe und Coleur. Die Stoffe selbst sind überwiegend Überreste aus der Möbelproduktion, hin und wieder mischen sich aber auch Überbleibsel der Premium Label Burberry, Chanel oder Armani darunter. Der Erlös, den die beiden Designerinnen mit dem Verkauf dieser edlen Ware erzielen, geht zu einem großen Teil nach Afrika und soll dort die schulische Ausbildung von Kindern unterstützen. Wie das genau funktioniert, verraten die beiden AMICA Online im Interview.

© Burundikids
Diese Mode kann helfen, Kindern eine gute Schulbildung zu gewähren.
AMICA Online: Frau Busse, Frau Noelle, bitte erklären Sie uns noch einmal Ihr Konzept!
Andrea Noelle (A.N.)
: Mit dem Verkauf der Taschen können wir ein ganzes Jahr Schulbildung für ein Kind in Afrika finanzieren. Dafür stehen uns vier Partnerschulen in drei Ländern, sprich in Tansania, Namibia und Burundi, zur Seite. Jedes Schuljahr besteht dabei aus sechs Komponenten. Das sind: die Schulgebühren, der Schulbus, die Schulbücher, das Schulessen, die Schuluniform und diverse Schulprojekte. Den kleinsten Anteil, Schulprojekte, ermöglicht der FUTURE Schlüsselanhänger, den größten Anteil, die Schulgebühren, werden zum Beispiel durch die PROMISE Tasche finanziert. Welches Kind die jeweilige Kundin wie unterstützt, wird ihr auf einem kleinen Anhänger, der an der Tasche befestigt ist, mitgeteilt.

Und was passiert nach dem einen Jahr?
A.N.:
Die Kinder begleiten wir durch ihre gesamte schulische Ausbildung. Wird eine weitere Tasche für das jeweilige Kind verkauft, die seine Schulgebühren finanziert, ist das nächste Schuljahr abgesichert. Dies läuft solange fort, bis das Kind die Schule abgeschlossen hat. Im Moment betreuen wir auf diese Art 300 Kinder. Für rund 100 Kinder sind ein bis zwei Jahre schon komplett finanziert - aufgrund des Verkaufs unserer Taschen.

Sie unterstützen größtenteils Grundschulen. Wie lange dauert denn in Afrika eine Ausbildung in der Grundschule?
A.N.:
Vier bis sechs Jahre. Also, müssen 24 bis 36 Produkte verkauft werden, um die Schulausbildung eines Kindes zu finanzieren.

[kein Linktext vorhanden]Kann sich die Kundin denn ein Kind aussuchen?
A.N.:
Nein, es wird ein Kind zugeteilt, denn wir wollen schließlich alle Kinder fördern, egal ob sie süß ausschauen oder nicht. Aber natürlich, hat eine Kundin schon ein Kind unterstützt und wünscht sie, dieses mit dem Kauf einer weiteren Tasche zu tun, gehen wir natürlich auf die Wünsche der Kundin ein.

Wie wird man „beliya“-Kind? Gibt es bestimmte Kriterien?
Annika Busse (A.B.):
Nein, wir suchen die Schulen aus und die Schulen suchen die Kinder aus.

Und wie viel Prozent des Verkaufspreises wird dann gespendet?
A.N.:
50 Prozent vom durchschnittlichen Erlös.

Waren Sie selbst schon einmal vor Ort in Afrika?
A.B.:
Ja, wir waren schon vor Ort. Im Januar fahren wir wieder nach Afrika. Auch einige unserer Kundinnen waren schon dort.

Wirklich? Wie kam es zu dem Kontakt?
A.B.:
Wer sein Kind kennenlernen möchte, der kann das natürlich auch. Wir freuen uns auch darüber, vermitteln Kontakte. Die Reisen selbst können wir aber nicht organisieren.

Und zum Schluss: Welches Kriterium ist Ihrer Meinung nach ausschlaggebender für die Kunden: die Designer-Stoffe oder der soziale Zweck?
A.N.:
In erster Linie muss die Tasche gefallen. In zweiter Linie begeistert unsere Kundinnen der gute Zweck. Unsere Verantwortung ist es dann, dass die Qualität stimmt.