Das BorchardtMenschen, Austern, Sensationen

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War das wieder eine schlimme Society-Travestie heute Abend. Filmpremiere, Sony Center Berlin, die Gästeliste so exklusiv wie das Telefonbuch von Reinickendorf. Allein vor dem Schalter für die Eingeladenen mit Namensanfangsbuchstaben O bis Q stehen etwa 30 Leute bei Nieselregen in der Schlange, und die Agenturmädchen an den Countern fragen bar jeglicher Prominenten-Kenntnis eine Christiane Paul oder einen Herrn Quandt, immerhin Spross Deutschlands reichster Unternehmerdynastie, wer sie denn bloß seien – und dann noch nach ihren Ausweisen. Man hat es nicht leicht als Prominenter, heutzutage, in Berlin.

Augenbrauenhebend dreht sich der junge Herr Quandt zu seiner Begleitung und murmelt den vermutlich meist gemurmelten Satz der Berliner Society dieser Tage: „Wir hätten gleich ins ,Borchardt‘ gehen sollen …“

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In neun von zehn Fällen finden sich dort ohnehin mehr interessante (und ja, auch prominentere) Menschen als auf den meisten angeblichen Top-Events Berlins. Das neue „Hotel de Rome“ eröffnet, Lauterbachs, Dieckmanns, der Designer Michalski – sogar „Bild“-Kolumnistin Christiane Hoffmann – ziehen da zwei Hallöchen-Runden und dann umgehend ins „Borchardt“ um die Ecke.

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Der neue Bond hat Premiere, Bond-Darsteller Daniel Craig flieht die Vorstellung (während das Berliner Party-Prekariat in den Sälen 1 bis 5 den Film ohne seine Anwesenheit verfolgt) und speist samt Lebensgefährtin Satsuki Mitchell das berühmte Wiener Schnitzel mit dem beinahe noch berühmteren Gurkenrahmsalat und Ragout von der Dithmarscher Gans.

Wer klug ist, wie die Veranstalter der Berlinale, verlegt die wichtigeren Events gleich ganz ins Wirtshaus der Republik an der Französischen Straße. Dann kommen wenigstens alle.