Das BorchardtVon Mel Gibson bis Jette Joop

Stoff für das Leinwand-Opus dürfte der tägliche Betrieb des Ladens ausreichend liefern. Schon Bestsellerautorin Ildikó von Kürthy soll hier das Unterfutter für ihren Berlinroman gewirkt haben, das reicht auch noch für einen Dietl-Film. Man denke allein an die dramatischen Auftritte einer Iris Berben oder einer Hannelore Elsner – vor allem, wenn gleichzeitig: Wer hat das größere Entree, an wessen Tisch sitzen die wichtigeren Leute, welche ist einfach die größere Diva?

Gern erinnert sich der Stammgast an die herrlichen Momente, als Schauspielstar Otto Sander kurzerhand beschließt, den Entreechef zu mimen und den ankommenden Damen mit wachteleigroßen Klunkern im Dekolleté aus dem Mantel zu helfen.

Wenn Wolfgang Joop ganz aufgeregt einer mitfühlenden Entourage von der Tragödie berichtet, wie sein Pommerscher Zwergspitz Wölfchen von einem Schäferhund fast zerfleischt worden sei, welcher daraufhin einen dramatischen Tod durch Ertrinken in einem Swimmingpool erlitt. Ein anderes Mal Mel Gibson mit nassen Füßen aus dem Unterstock zurückkommt, weil da eben ein Wasserrohrbruch stattgefunden hat. Jette Joop ihren runden Geburtstag begeht und ihr es gelingt, gleich drei aktuelle Verehrer an einem Tisch zu platzieren, ohne dass es zu Messerstechereien kommt.

Oder sich drüben in der Ecke Hollywood-Export Thomas Kretschmann, der prinzipiell in abgerissener Kleidung erscheint und etwas nach Kaninchen riecht, so sexy an der Männerbrust kratzt, dass mancher erregten Dame die Silbergabel ins mediterrane Risotto plumpst.

„Ich liebe das ,Borchardt‘, weil es eine zauberhafte Architektur und internationale Atmosphäre hat. Es könnte auch in Paris oder New York sein“, schwärmt Hauptstadtfigaro Udo Walz herum. „Ich habe schon Freunde getroffen, die ich Jahrzehnte aus den Augen verloren hatte, wie das ehemalige Topmodel Ina Balke. Wir saßen den ganzen Abend Rücken an Rücken und haben uns erst beim Gehen entdeckt. Das ,Borchardt‘ hat auch immer etwas von einer Kontaktbörse, ich habe hier Leute wie Verona Pooth und Thomas Gottschalk erst kennengelernt.“

Schöne Szene auch kürzlich, als Partyveranstalter Oskar „Oschi“ Melzer und Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre spontan beschließen, zu Fans des wasserstoffblondierten Sängers der Technoband Scooter zu mutieren und sich auf Autogrammjagd durchs Lokal zu begeben. Das sind dann Momente, in denen Geschäftsführer Rainer Möckel einschreitet und selbst Prominente dezent zurechtweist.

„Das machen wir lieber nicht“, mahnt er. „Warum nicht?“, Stuckrad daraufhin. Möckel: „Was glaubst du, wie viele Fans ich dir heute schon vom Hals gehalten habe?“ Stuckrad: „Keine Ahnung, einen?“ Möckel grinsend: „Nö, zwei.“