Côte d’Azur 2007Prinzessinnen und Legenden

Eine Begebenheit, die Sachs erzählte, ist dafür bezeichnend. Es geht eigentlich darum, wie er in den 50er-Jahren Porfirio Rubirosa, einen Playboy, Diplomaten und weiteren Platzhirschen, kennenlernte. „Er stand mitten auf einem Grundstück auf einem Haufen alter Ziegelsteine und hielt nach irgendetwas Ausschau. Als ich näher kam, rutschten die Ziegel, und er landete mit seiner weißen Hose im Staub. ,Die sind gut zum Steine-übers-Wasser-hüpfen-lassen‘, sagte er über die kaputten Ziegel. ,Probieren wir’s!‘ Nach anderthalb Stunden schuldete er mir 300 Dollar – aber wir kannten unsere Namen noch nicht. Wir fuhren die kurze Strecke in Richtung Saint-Tropez auf der Suche nach einer Bar. Nachdem im Bistro der Gin ausgegangen war, ließ ich den Fremden auf einem Schiff im Hafen zurück.“

Das wäre im Jahr 2007 ziemlich schwierig. Ein Grundstück mit einem Haufen alter Ziegelsteine am Meer in der Nähe von Saint-Tropez könnte zum Beispiel in Ramatuelle liegen. Dort aber ein unbebautes Areal zu finden, das zugänglich ist, ist heute fast unmöglich. Und mal eben Richtung Saint-Tropez sollte man von dort nicht zwischen Mai und September fahren. Das hieße nämlich, wir bräuchten eine Stunde in dem zäh wie Honig von hiesigem Lavendel fließenden Verkehr. Abgesehen davon, dass man am Ortsrand von Saint-Tropez auf einem der großen Plätze parkt und dann im Gänsemarsch mit Tagestouristen zum Hafen läuft. Und auch Bistros gibt es kaum mehr, eher Pubs. Aber die eine oder andere Bar, die einen Besuch lohnt, ist nach wie vor zu finden. Zum Beispiel „Le Gorille“, die Franz Josef Wagner, der „Bild“-Kolumnist, mag.

Und der „Club 55“ natürlich, das erste Strandrestaurant, eröffnet 1955. Damals ging Brigitte Bardot hin. Der Besitzer war ein Ethnologe und Abenteurer mit Namen Bernard de Colmont – der dann halt Wirt wurde. So lautet wenigstens die Legende. Falls sie nicht stimmt, ist sie bien trouvé. Heute verlässt die Bardot, die immer noch in der Gegend lebt, kaum mehr ihr Haus. Dafür ist Prinzessin Caroline von Monaco jeden Sommer wenigstens einmal im „Club 55“ und Ivana Trump, die, so sieht es aus, die angesagten Orte an der Riviera nach einer Checkliste abreist. Vor zwei Jahren war Bono im Club, in den jeder rein darf, und gab ein Impromptu-Konzert. Vergangenen Sommer lud die Frau eines polnischen Industriellen alle Gäste zum Champagner ein, um ihre Ankunft zu feiern. Es sollen 300 Flaschen getrunken worden sein.