Côte d’AzurUnübertroffenes Gesamtangebot

Noch einmal: Das Schöne ist noch da. Es ist bloß ein bisschen schwieriger zu finden. Oder die Zugänge sind weniger öffentlich, weniger demokratisch. Es gibt eine Côte publique und eine Côte privée sozusagen. Wer in die private Zone gelangt, dem ergeht es gut, sehr gut sogar.

Ich habe einmal einen Schweizer Unternehmer in seinem Anwesen am Ende einer Privatstraße in Saint-Jean-Cap-Ferrat besucht. Wir saßen in seinem Park im Schatten unter alten Pinien. 20 Meter weiter hinten befand sich sein Haus, von dessen Salon man aufs Meer blickte. Und dieser Blick ruft in Erinnerung, warum die Côte die azurblaue Küste genannt wird. An der einen Seite des Parks gab es einen Hügel, über den man zu einer kleinen Bucht gelangt, wo der Hausherr jeden Morgen schwimmen geht. Unter dem aufgeschütteten Hügel führte der öffentliche Uferweg hindurch – die Bewohner der Côte privée können sich also ungestört sonnen.

„Weshalb leben Sie gerade hier?“, fragte ich den Gastgeber. Seine Antwort: „Die Lebensqualität ist die höchste, die ich kenne.“ Zwar sei die Region in nichts Weltspitze. Anderswo gäbe es schönere Strände, ein reicheres Kulturangebot, bessere Verkehrswege. Aber das Gesamtangebot sei unübertroffen: „Angenehmes Klima, gute Restaurants, moderne Kliniken, viele Society-Events und ein nebelfreier Flughafen.“

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Vor kurzem verbrachte ich wieder einmal ein paar Tage an der Côte und erinnerte mich an seine Worte. „Angenehmes Klima“ klingt banal, aber wer im Februar oder März in Nizza landet, weiß das zu schätzen.

Nach der Ankunft im Hotel in Cannes zog ich die von Helmut Newton unsterblich gemachte Südfrankreich-Uniform an: Polohemd, helle Baumwollhose, Loafers aus Wildleder ohne Socken und legte einen Kaschmirpullover über die Schultern.

Auf dem Spaziergang über die Promenade des Anglais machte sich Riviera-Gefühl breit. Das Flair der Fifties hängt immer noch in der Salzluft. Am Abend gab es ein Black-Tie-Dinner in der Salle Impériale des „Carlton“, das mit Recht seinen Eintrag im Buch „1000 Places To See Before You Die“ hat. Das war, zugegeben, ein Abstecher an die Côte privée.

Doch es geht immer noch exklusiver. Man kann eine Suite im „Hotel du Cap“ buchen, das der Starkolumnist Dominick Dunne, der während der Filmfestspiele von Cannes immer dort wohnt, als „sicherlich eines der elegantesten Hotels der Welt“ bezeichnet. Trotzdem gibt es ganz in der Nähe sicher irgendjemanden, der größere Fische brät. Denn wer große Fische brät, tut das besonders gern an der Côte. Damit es auch jeder sieht.

Nirgends fällt das mehr ins Auge als im Hafen von Monte Carlo. Ich war einmal Gast auf der Yacht von Mouna al-Ayoub, einer libanesischen Geschäftsfrau. An Bord der „Phocea“ erfuhr ich, dass der Viermaster mit 246 Fuß das längste Segelschiff der Welt in Privatbesitz sei. Außerhalb des Hafens lag eine Motoryacht, die mir imposanter erschien. Es war die „Lady Moura“, sie misst über 300 Fuß und gehört Madame Ayoubs Ex-Mann, einem Geschäftspartner des saudischen Königs.

Doch das ganze Côte-privée-Getue ist nicht nötig, wenn es um das Riviera-Gefühl geht. Das findet man auch an der Côte publique. Mein liebstes Hotel ist das hübsch renovierte und von Künstlern aus der Gegend gestaltete „Windsor“ in der Altstadt von Nizza. Fast um die Ecke liegt mein bevorzugtes Restaurant.

„La Merenda“, das mir Wolfram Siebeck empfahl. Der Chef hat früher im Restaurant des „Negresco“ gekocht, bis er keine Lust mehr auf Sterneküche hatte. Bei ihm schmecken die mit Frischkäse gefüllten gebackenen Zucchiniblüten und der fangfrische Fisch vom Grill heute genau so, wie sie wohl schmeckten, als Taki zum ersten Mal die leuchtend roten Mohnblumen und das Meer von dunkelvioletten Glyzinien sah.