IbizaBlaues Wunder

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Lisa Stocker, Holger Christmann

Freitagabend im hippen „Macao-Cafe“ in Ibiza-Stadt: Ein Tisch voller Mittdreißiger umringt eine junge Frau in einem silbernen Hauch von Kleid. Sie wirkt unschuldig jung und etwas teilnahmslos. Es ist Kate Moss, die beim Yoga auf Ibiza auftanken will. Nachts lassen es Jade Jagger und ihre Freunde im „Pacha“ krachen. Drei Tage später tobt sich der Fotograf Andreas Gursky morgens um drei im Tanztempel „Amnesia“ aus. Willkommen auf Ibiza, der Insel, die der Jetset liebt; der Insel, die schon manches Mal totgesagt wurde und dann doch Jahr für Jahr wiederaufersteht.

Als mit den Billigfliegern der Massentourismus hereinbrach, flohen manche auf das stillere Formentera. Doch die meisten blieben Ibiza treu, und einige kauften sich Fincas auf der Insel. Jade Jagger, die Tochter von Mick und Bianca Jagger, besitzt hier eine Villa. Einmal im Jahr gibt sie dort eine Party für 500 Leute.

Der Modefotograf Peter Lindbergh bewohnt mit seiner jungen Frau Petra ein Anwesen mit spektakulärem Ausblick aufs Meer. Zwei andere Starfotografen, Mert Alas und Marcus Piggott, überblicken von ihrer Villa die Bucht von Es Vedrà.

Von Madonna über Elle Macpherson, Mario Testino, Haus-Fotograf der Queen, bis hin zum Designer Matthew Williamson könnte man die Liste der Ibiza-Liebhaber beliebig verlängern. Sie stehen damit in einer langen Reihe legendärer Ibiza-Fans: Schon Brigitte Bardot und Liz Taylor kamen gern, damals vor den Blitzlichtern der Paparazzi fliehend.

Die ersten, die Ibiza von einer verschlafenen Mittelmeerinsel in einen Szenetreff verwandelten, waren in den 60ern Jazzmusiker, Künstler und Aristokraten. Später kauften sich Roman Polanski oder Bond-Girl Ursula Andress Villen und hingen sonntags mit Peter Sellars im „Sandy’s“ herum. Die Insel war damals eine Station der Hippie-Karawane, die zwischen Amsterdam und Goa auch mal hier vorbeikam. Sie sorgte für das spezielle, freizügige Lebensgefühl. „Irgendetwas an der Stimmung hier machte uns exzessiv“, erinnert sich eine Veteranin von damals. Es ging darum, Sex zu haben, Drogen zu nehmen und sich frei zu fühlen. Schon die Armbanduhr galt als lästige Erinnerung an die Zwänge des Alltags und wurde abgelegt. Und auch heute gibt es diese typischen Szenen: Pärchen, die in Sichtweite auf ihrer Yacht eindeutige Dinge tun; Nacktheit, die unbefangener gelebt wird als anderswo.

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