Reisetrend MarrakeschIn den Gassen der Medina

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Dort, an der an der Koutoubia-Moschee, trifft man auch Mats Wahlström, 43, Erfinder des „Puro Hotel“ und des „Puro Beach Club“ u.a. in Palma de Mallorca. Er war mit seinem Sohn „den ganzen Tag bei den Schlangenbeschwörern“. Der Schwede kann sich entspannen: Sein Deal für den neuen „Puro“-Ableger ist unter Dach und Fach. „Marrakesch ist so etwas wie ein neues, friedliches St-Tropez“, so der Partyprofi. „Die Stadt ist ein Melting Pot, eine ganz exotische Mischung. Früher kamen nur Franzosen. Inzwischen trifft man mehr und mehr Deutsche und Engländer, die ausgefallene Küche, stylishe Restaurants und cooles Hoteldesign lieben. Es wird nicht lange dauern, dann gibt es von jedem deutschen Flughafen Direktflüge hierher.“ Abends wird er wieder herkommen, mit Freundin Sarah. Sie ist Kosmopolitin wie er, hat neben Palma noch einen Wohnsitz in Dubai. Chillen oder ein bisschen tanzen, ganz relaxt, in einem der neuen Clubs, mehr braucht man in Marrakesch nicht zum Glücklichsein.

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Den Swing arabischer Instrumente im Ohr, hat die Szenerie fast einen Hauch von Hollywood. Der Wind ist es, der die Melodien ständig neu sortiert, davonträgt und über den Höfen der Altstadt zusammen mit den Rufen der Muezzins von den Minaretten Dutzender Moscheen vermischt.

Und sollten ausnahmsweise Disco-Beats darunter sein, dann stammen sie vermutlich vom libanesischen DJ Said Mrad, dessen eingängige Songs in den Clubs der Stadt aus den Boxen hämmern und selbst den größten Tanzmuffel binnen Sekunden bekehren. Widerstand zwecklos, der Sound geht direkt in die Beine.
Eine einzige Open-Air-Party ist das, mit Open End, wenigstens in den lauen Sommernächten. Erst zur After Hour versiegen die Tamburinspieler nach und nach, und die letzten Tänzer ziehen sich für einen morgendlichen Absacker in die Palasthotels oder Privatvillen in den Gassen der Medina zurück. „In diesen Momenten hat Marrakesch etwas Mystisches“, sagt DJ Ben Sowton. „Man fühlt sich, als ob man eine Zeitreise in die Vergangenheit angetreten hat.“

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Vor zehn, fünfzehn Jahren klang das noch anders. Da hörte man über Marrakesch nur Schimpftiraden: Der Gang durch die Altstadt gleiche einem Spießrutenlauf, hieß es, die fliegenden Händler zupften und zerrten an einem herum und wenn man sich losriss, großes Gezeter. Nur eine Zauberformel half, sich zu lösen und den Kaufleuten sogar ein Lächeln ins Gesicht zu hexen: „Ana Marrakchi, mon ami“ – „Ich bin Einheimischer, mein Freund“, die Umschreibung für „Ich wohne hier, lass mich in Ruhe“.

Mittlerweile hat sich das geändert. Vielleicht ist auch der Einfluss des jungen Königs Mohammed VI. nicht unerheblich, der seine Landsleute auf den neuen, westlich-weltoffenen Kurs eingeschworen hat. Der neue Wohlstand ist nicht zu übersehen. Neue Apartmenthäuser und Villenviertel entstehen, in Sandtönen, so befiehlt es seine Hoheit, aber sonst sind der neuen Lust am Bau kaum Grenzen gesetzt. Marrakesch boomt: Isadore Sharp wird hier bald ein Four-Seasons-Hotel eröffnen, Rocco Forte plant ein Luxushotel.

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Das legendäre, aber in die Jahre gekommene „La Mamounia“ wird nach über einjähriger Renovierung gegen Jahresende wieder eröffnen – optisch verjüngt von Stardesigner Jacques Garcia.

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In den Gassen der Medina