Reise mit Prinzessinnen-Feeling2. Station: Socca-Stand „Chez Roger“

2. Station auf den Spuren von Grace Kelly: der Socca-Stand „Chez Roger“

© Kerstin Kotlar
Bei ihm gehört die Fürstenfamilie zu den Stammgästen: Traditionsbäcker Roger vor seinem Socca-Stand. Das Foto mit Charlène und Albert entstand im April 2013.
Direkt unterhalb des Palasts nehme ich in der Markthalle Marché de la Condamine die nächste Spur zu Grace Kelly auf. Ich treffe sie in Person von Roger, im karierten Baumwollhemd, mit weißer Schürze, umgehängter Lesebrille. Jetzt am frühen Nachmittag, wenn der Ansturm auf seine traditionellen Socca (einem pizzaähnlichen Gebäck aus Kichererbensenmehl) vorbei ist, hat der 68-Jährige ein wenig Zeit bevor er nach Hause geht, um den Teig für den nächsten Tag vorzubereiten.

Roger kennt die Fürstenfamilie persönlich gut. Seit 37 Jahren hat der ursprüngliche Pariser seinen Socca-Stand „Chez Roger“ unweit des Fürstenpalasts. „Ich habe Grace sehr gemocht, sie war sehr sympathisch“, sagt Roger und seine blauen Augen blitzen. Von seinen Socca habe die Fürstin alle gerne gegessen, ganz egal, welche. Ihr Mann Rainier habe ihn immer mit „mon petit“ („mein Kleiner“) begrüßt und ihm zugeflüstert: „Verrate hier nicht, dass du eigentlich aus Paris kommst.“ Grinst, wischt seine Arbeitsfläche sauber, räumt die Bleche zusammen. „Grace bleibt einfach unvergesslich, auch wenn ich sie nie um die Taille gefasst habe wie Charlène auf diesem Foto“, lacht der leidenschaftliche Bäcker.

Viele sehen Charlene Wittstock in den Fußstapfen von Gracia Patricia, ihrer verstorbenen Schwiegermutter. Elegant, schön und bescheiden – so gefällt uns die attraktive Südafrikanerin!Die Aufnahme auf dem Tresen ist im April 2013 entstanden. Genauso wie Rainier und Grace sind Charlène und Albert regelmäßig seine Gäste. „Es ist immer angenehm mit ihnen“, sagt Roger. Vor einem Jahr hat er auf Anraten Fürst Alberts die monegassische Staatsbürgerschaft beantragt. Gehört hat Roger bisher nichts, aber Albert sagte ihm: „Wenn es in beruflicher Hinsicht irgendein Problem gibt, ruf mich an.“ Der Monarch könnte das Verfahren sicher beschleunigen. Denn, wenn Roger die Staatsbürgerschaft nicht bekommt, geht er wieder zurück nach Frankreich. Für ein Leben in Monaco würde seine Rente nicht reichen.

Vom Film „Grace of Monaco“ hat er nichts gehört, genauso wenig interessieren Roger Spekulationen um die erkaltete Liebe Charlènes. „Alles andere, was vielleicht hinter den Palastmauern passiert, geht mich nichts an.“ Diskretion ist Ehrensache in Monaco. Im Fürstentum werden Charlène und Albert II. genauso verehrt wie einst Prinzessin Gracia Patricia und Rainier III.

Alteingesessene Monegassen treffen sich heute vor dem Stand „Chez Roger“ in der Ecke der Markthalle. Nach dem Mittagssnack spielen sie auf dem einfachen Holztisch bei leichtem Weißwein das traditionelle Kartenspiel Belote. Jean-François Sbarrato, Veranstalter von Sport-Events, spricht aus, was für ihn als einen der knapp 7000 Monegassen und alle anderen im Mittelmeerstaat gilt: „Du wirst in Monaco niemanden treffen, der etwas Schlechter über die Fürstenfamilie sagt. Alle sind hier sehr loyal, dem Fürstenhaus eng verbunden.“