Das Ich-hab-Ferien-GefühlKopenhagen

Wenn der Sommer in Kopenhagen ein Geräusch wäre, dann wäre es das von klatschenden Flip-Flops auf Kopfsteinpflaster. Sobald der erste warme Sonnenstrahl auf die Stadt fällt, ist das Patschen überall zu hören, rund um den Amagertorv, in den kleinen Gässchen in der Innenstadt, in den königlichen Parks, vor Cafés und an den Kanälen in Nyhavn. Es klingt, als würde die Stadt dem Sommer applaudieren. Und auch ein wenig sich selbst.

Endlich kann sie sich wieder zeigen. Endlich präsentieren, was so lang verhüllt war. Mädchen flanieren in winzigen Kleidchen oder gleich in Bikinitops die Einkaufsmeile rauf und runter und stellen glamourös große Sonnenbrillen zur Schau. Jungs spielen über die Köpfe von verstörten Touristen hinweg Frisbee. Der Betrachter kommt sich vor wie auf einer Modenschau, nur dass es viel weniger anstrengend ist.

Aufmerksamkeit beanspruchen, strapaziös sein, sich wichtig nehmen – haben die Kopenhagener gar nicht nötig. Sie wissen sowieso, dass sie bestaunt werden, walnussbraun gebrannt und wunderschön wie sie sind. Und sie strahlen einen dabei so freundlich und mitreißend an, dass man sich selbst gleich ganz unwiderstehlich vorkommt. Auf jeden Fall möchte jede Nicht-Kopenhagenerin sich dringend in einen dieser flachsblonden Kerle verlieben.

Kein vernünftiger Einheimischer käme je auf die Idee, seine Stadt im Sommer zu verlassen. Wenn, dann höchstens, um für ein Wochenende an die Strände in Nordsjaelland zu fahren. Die wenigen heißen Wochen sind viel zu kostbar, um sie am Mittelmeer oder sonst wo zu verschwenden. Vielleicht hat deshalb jeder – egal, wann er in der Stadt ist, egal, ob gerade Mittwoch ist und er eigentlich fürchterlich viel zu erledigen hätte – in Kopenhagen immer ein Ich-hab-Ferien-Gefühl. Alle sind unterwegs, egal wohin, Hauptsache, draußen, um jeden Sonnenstrahl bis zum letzten aufzusaugen und die eigene Stadt dann zu erleben, wenn sie am schönsten ist.

Wenn die pastellfarbenen Puppenhäuser am Hafen leuchten und das Wasser endlich warm genug ist, um baden zu gehen. Wenn auch um elf Uhr abends am Sankt Hans Torv noch selbst gemachtes Softeis verkauft wird. Und wenn man bis frühmorgens in der Nansensgade auf einem Treppenabsatz sitzen und Backgammon spielen kann. Zuhause? Das ist nur zum Schlafen da. Und manchmal nicht mal das.


Marlene Sørensen pendelt zwischen Hamburg und München und fühlt sich in Kopenhagen so zu Hause wie nirgendwo sonst.

Ihre Tipps:
Morgens Kaffe trinken und Zeitung lesen am AmagerTorv.
Vormittags an den Strand nach Fluepapiret in Klampenborg fahren.
Nachmittags auf der Elmegade Flanieren.
Nachts Leute gucken in Nørrebro