SommerlocationNew York

New York

Der New Yorker Sommer hat einen schlechten Ruf und natürlich stimmt es, dass sich die Hitze im Juli und August manchmal wie ein feuchter Wattebausch in den Straßenschluchten festsetzt, sodass einem das Hemd selbst bei Nacht schweißnass am Körper klebt.

Doch wer einmal auf dem Heimweg von den Stranddünen bei Sandy Hook auf dem Deck der Fähre stand und gesehen hat, wie die Skyline im Abendlicht rotgold aufleuchtet, wer sich später mit Sand in den Schuhen an einer der vielen neuen Dachbars zwischen den funkelnden Fassaden der Wolkenkratzer einen Cocktail bestellt und einen leibhaftigen Filmstar erspäht, wer sich durch die Straßen der Lower Eastside treiben lässt, auf denen das Feiern bis in die Morgenstunden kein Ende nehmen will, der weiß, dass all jene, die in die Badeorte rings um die Stadt flüchten, die vielleicht besten Wochen des Jahres versäumen.

Das sind die Wochen, in denen Schauspieler wie Meryl Streep und Denzel Washington die Sommerpause von Hollywood nutzen und im Central Park Shakespeare spielen. Gar nicht weit von jener Wiese, auf der die New Yorker Philharmoniker ihre Sommerkonzerte mit einem Feuerwerk beschließen. In der ganzen Stadt kann man an mobilen Garküchen für ein paar Dollar die exotische Küche der Einwanderer probieren. Und weil die ganze Welt glaubt, im Sommer sei diese Stadt nicht zu ertragen, und sie deswegen meidet, wird man auf ihren Straßen nie so viele entspannte New Yorker treffen wie zwischen dem Unabhängigkeitstag des 4. Juli und dem offiziellen Ende der Strandsaison am ersten Montag im September.


Andrian Kreye lebt seit 1988 in New York und arbeitet dort als Korrespondent für die Süddeutsche Zeitung. Im Herbst erscheint sein neues Buch „Geschichten vom Ende der Welt“ bei Knaur.

Seine Tipps:
The Delancey Club mit Dachbar, 168 Delancey/Ecke Clinton Street.
Cabana Rooftop Bar at the Maritime Hotel 88 Ninth Avenue