Les Règles du JeuMan kennt und wird gekannt

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6. Heulen ist ein No-go

Niemals würde man sich öffentlich über die Lichter am Eiffelturm freuen. Oder in einem traurigen Film Tränen vergießen. Und schon gar nicht äußert man sich nach der besten Fashion-Show aller Zeiten positiv. Stattdessen gibt man sich gepflegt gelangweilt. Jeglicher Ausdruck von Emotion ist in Paris verpönt. Wem gerade der Hund gestorben ist oder wer von der großen Liebe verlassen wurde, sollte deshalb zu Hause bei Mama anrufen.

7. Es zählt nicht, wer du bist, sondern wen du kennst

Freunde macht man sich in Paris vor allem mit kleinen Gefälligkeiten, zum Beispiel der Beschaffung einer Yves- Saint-Laurent-Tasche zum halben Preis, einer Vermittlung an den begehrtesten Masseur der Stadt (Gregor Schultze) oder durch das Bekanntmachen mit Nick Blast, ehemals angeblich Pornodarsteller, jetzt verantwortlich für die Partys in der „Plaza Athénée“-Bar (25, avenue Montaigne). Die „Man kennt sich, man hilft sich“-Devise gilt auch in anderen Metropolen – aber in Paris ist es wichtiger, über erwiesene Gefälligkeiten zu reden. Die Brüder Gilbert und Jean-Louis Costes, denen 18 Restaurants und Hotels gehören, die alle très branché sind, darunter das „Costes“, das „Café Marly“ (93, rue de Rivoli) und der neueste Szene-Hangout, das „Hotel Amour“ (8, rue de Navarin), hat noch nie jemand gesehen. Aber alle behaupten, mit ihnen befreundet zu sein. Beeindrucken kann man auch mit der Behauptung, die Chanel-Präsidentin Françoise Montenay sei eine enge Freundin der Familie.