Les Règles du JeuManieren und Herkunft sind unwichtig

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2. Mit Manieren punktet man bloß beim Garçon im Restaurant – nur mit schlechten wird man zum Star

Jede Clique schart sich um ein oder zwei wahlweise sehr reiche oder sehr berühmte Anführer. Die anderen Cliquenmitglieder dürfen arm sein wie Kirchenmäuse. Aber sie müssen entweder Modelbooker sein (weil unter alternden Pariser Werbeagenten Modeljagd Volkssport ist) oder einen Hang zum Exzentrischen haben. Das kann Alkoholsucht sein, Post-Modelkarriere- Depression, totale Handy-Verweigerung oder die Neigung, sich auf der Tanzfläche plötzlich wirklich alle Klamotten vom Körper zu reißen. Très chic sind auch Bekanntschaften mit stilsicheren Transsexuellen. Vor der Operation.

3. Eine gute Herkunft ist nur in der Politik wichtig

14 von über 30 Kandidaten für die nächste Präsidentenwahl sind auf ein und dieselbe Schule gegangen, nämlich die École Nationale d’Administration. Die glamouröse Sozialistin Ségolène Royal war mit dem schöngeistigen Bürgersohn Dominique de Villepin sogar in einem Jahrgang. Der einzige, der aus dem Rahmen der Politelite fällt, ist Nicolas Sarkozy – weswegen diesen „Emporkömmling“ nicht die Society liebt, sondern das Volk. In der Fashionszene hingegen muss man noch nicht mal in Frankreich geboren sein, um es zu Ruhm und Ansehen zu bringen. Hier reicht es völlig, ein Model zu sein, dass auch nach Jahren noch kein Wort Französisch spricht, möglichst schwul und böse gleichzeitig auszusehen (Styling-Tipp: Fuchsschwanz mit Kette um den Körper zu Irokesenschnitt) oder etwas sehr Altes und Seltenes von Balenciaga zu tragen. Und die ganze Zeit zu säuseln:
„J’adore. J’adore. J’adore.“